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Portrait

Ein Maler mit Vokalpalette

Alessandro Zuppardo, neuer Chordirektor in Leipzig · Von Midou Grossmann

Alessandro Zuppardo ist ein Vollblutmusiker. Studiert hat er Dirigieren, Klavier, Komposition und Kammermusik am Konservatorium Santa Cecilia in Rom. Doch schon sehr früh entdeckte er seine Leidenschaft für die menschliche Stimme, dieses magische Instrument, das im menschlichen Körper eingeschlossen ist. Sieht man ihn mit dem Chor arbeiten, dann versteht man seine Faszination und sein Engagement für dieses „Instrument“. Mit italienischer Leidenschaft wird jede Probe zu einem musikalischen Ereignis, denn für Zuppardo resultiert die Ausdruckskraft der Stimme aus einer direkten Verbindung zwischen Gehirn und Herz. „Der größte Feind der Kunst ist der Mangel an Emotionalität, ohne ein offenes Herz geht nichts zusammen“, erklärt er. „Stimmbeherrschung, Memorieren des Textes und der Regie, die Ausführung der konkreten musikalischen Anweisungen, die Text, Szene und Musik zu einem Ganzen verschmelzen lassen, laufen alle auf einen Punkt hinaus, der letztendlich vielleicht sogar im Transzendenten verankert ist.“

Alessandro Zuppardo. Foto: Andreas Pohlmann

Alessandro Zuppardo. Foto: Andreas Pohlmann

Zuppardo kennt die deutsche Musikszene gut, von 2003 bis 2008 war er Chordirektor der Oper Frankfurt am Main. Auch in Italien hat er an großen Häusern wie Lucca, Pesaro, Mantua, Genua, Verona und Triest gearbeitet. Zudem hat er sich als Liedbegleiter einen Namen gemacht und wurde 1997 Assistent von Dalton Baldwin; in vielen Kursen und Reisen durch Europa hat er für die französische Melodie und den deutschen Liedgesang geworben.

Brillanter Chor

In Leipzig fühlte er sich von Anfang an richtig zu Hause. Er schätzt die große musikalische Tradition der Stadt, die ihn beflügelt und inspiriert. Zuppardo hat auch das diesjährige Chorkonzert der Oper entscheidend mitgeprägt, als er Elgars Werk „The Music Makers“ vorschlug, quasi als Hommage an die Uraufführung von 1912. Auch dem dirigierenden Intendanten Ulf Schirmer gefiel das Werk, sind doch die Worte von Arthur O’Shaughnessy eine wunderbar passende Beschreibung des Künstlerdaseins: „We are the music makers, and we are the dreamers of dreams.“ Der Chor brillierte an diesem Abend fabelhaft homogen, angefangen von den leisen, choralartig angelegten Harmonien des Hauptmotivs bis hin zu den großen dramatischen Momenten des genialen Chorwerks.

Den Leipziger Opernchor sieht Zuppardo als ein hoch professionelles Ensemble, mit viel Feingefühl für die Stimmgestaltung. Dennoch möchte er in der nächsten Zeit daran arbeiten, den Chor zu mehr Emotion und Ausdruck zu bewegen, um stimmlich eine noch größere emotionale Palette zu zeigen. Manchmal singe der Chor noch zu diskret, erklärt Zuppardo. Daran will er im Laufe der Spielzeit arbeiten, etwas Italianità kann durchaus auch einem deutschen Opernchor zur Zierde gereichen. Stehen doch für die nächste Spielzeit die großen italienischen Choropern „Nabucco“ und „Rigoletto“ auf dem Spielplan. Zuppardo beschreibt einen Chordirektor als eine Art Maler, der auf seiner Vokalpalette die unterschiedlichen Farben mischt, dem musikalischen Gemälde durch Licht und Schatten Kontur verleiht und so dem Kunstwerk Leben einhaucht.

Leipziger Opernchor. Foto: Andreas Pohlmann

Leipziger Opernchor. Foto: Andreas Pohlmann

Als nächstes Projekt in dieser Spielzeit steht, nach einer „Carmina Burana“ (Ballett) im Februar, im Juni noch „Catulli Carmina“ (Ballett) auf dem Probenplan des Chors. Für ein weiteres Chorkonzert im nächsten Jahr wird sich Zuppardo vehement einsetzen. Den französischen Komponisten des letzten Jahrhunderts fühlt er sich tief verbunden, und so würde er sich wünschen, Francis Poulenc mit einem Chorwerk zu dessen 50. Todestag im Jahr 2013 zu ehren. 2011 kam Zuppardos erste CD mit dem Liedschaffen von Poulenc auf den Markt. Das Projekt wird 2013 mit den gesamten Liedern (nach Texten von Apollinaire, Éluard, Cocteau und anderen) aus dieser Epoche komplementiert.

Neue Erfolgsphase

Die Oper Leipzig feierte 1993 ihr 300-jähriges Bestehen. 1693 waren es Leipziger Studenten, darunter Georg Philipp Telemann, die als Chorsänger und Orchestermusiker mitwirkten. Auch Thomaner waren im Verlauf des 18. Jahrhunderts an den Aufführungen beteiligt. Ein berufsmäßiger Opernchor wurde dann mit der Gründung des Stadttheaters am Anfang des 19. Jahrhunderts eingestellt. Eine künstlerische Zusammenarbeit mit dem Gewandhaus findet ebenfalls regelmäßig statt. Erfolgreiche Tourneen mit Riccardo Chailly und dem Gewandhausorchester brachten zuletzt großes Lob von der internationalen Presse. Mit Alessandro Zuppardo kann der Opernchor nun in eine neue erfolgreiche Phase seiner langen Geschichte starten.

Midou Grossmann

 

 

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