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Berichte

Beeindruckende musikalische Brillanz

„Lohengrin“ am Mainfrankentheater Würzburg · Von Midou Grossmann

Transparent sollte er klingen, Wagners „Lohengrin“. Das war für GMD Enrico Calesso besonders wichtig. Denn, so erklärte er, es könne anhand der Instrumentation schnell geschehen, dass das Klangbild zu mächtig oder gar martialisch wirke. Doch der Maestro schaffte es mit Verve, sein Orchester sicher über alle Klippen der Partitur zu leiten und die von ihm gewünschte Transparenz zu realisieren.

Karen Leiber als Elsa von Brabant, Scott MacAllister als Lohengrin. Foto: Falk von Traubenberg

Karen Leiber als Elsa von Brabant, Scott MacAllister als Lohengrin. Foto: Falk von Traubenberg

Das Philharmonische Orchester Würzburg hat seit dem Amtsantritt von Calesso eine stetige musikalische Steigerung gezeigt, doch was an diesem Abend zu hören war, darf durchaus als musikalischer Quantensprung bezeichnet werden. Wagners „Lohengrin“ wird oft auch als eine Art italienische Oper bezeichnet und war somit bei Enrico Calesso in guten Händen. Vom ersten Ton der Ouvertüre bis zum tragischen Schlusston verstand es der Dirigent, den musikalischen Fluss dynamisch zu gestalten. Schon die Streicher trafen den blausilbrigen Ton in der Ouvertüre auf den Punkt, die Bläser imponierten mit einem warmen Klang, der so heute selten zu erleben ist. Das gut ausbalancierte sowie transparente Musizieren gab den Sängern eine fabelhafte Grundlage, in die sie sicher eingebunden waren.

Eine absolute Spitzenleistung zeigten auch der Chor sowie der Extrachor des Mainfranken Theaters. Gleich zwei Chordirigenten waren dafür verantwortlich: Michael Clark, der neue Chordirektor, wurde von Sören Eckhoff, Chordirektor der Bayerischen Staats-oper, unterstützt. Hatte man doch schon im Januar mit den Proben angefangen und für den Extrachor neue Stimmen rekrutiert. Den beiden Chorleitern gelang es ebenfalls einen transparenten Chorklang aufzubauen, der bei den Zuhörern Gänsehaut hervorrufen sollte (laut Arbeitsanweisung der Chorleiter), und das gelang sehr beeindruckend.

Das Einheitsbühnenbild von Rudolf Rischer besteht eigentlich nur aus blauen Treppenstufen, wird aber von Regisseur Kurt Josef Schildknecht als Spielfläche für Wagners grandiose Choroper äußerst geschickt genutzt. Der eindrucksvollen Lichtregie von Roger Vanoni gelingt es immer wieder, Kunsträume zu schaffen, die dem Werk Weite und Intensität verleihen. Grundelement bleibt allerdings bis zum Schlussbild das blaue Licht, das die Präsenz einer Trans-zendenz suggeriert.

Kurt Josef Schildknecht hält sich eng an Wagners Regieanweisungen und kreiert auf der kleinen Bühne immer wieder bewegende Bilder sowie großartige Auftritte des Gesamtensembles. Es gibt ihn auch, den Schwan, Lohengrin erscheint aus einer gläsernen Pyramide, in der ein Schwan zu sehen ist. Wie Mozarts „Zauberflöte“, ist Wagners „Lohengrin“ letztendlich eine Einweihungsoper, auch wenn dieser Aspekt zumeist immer noch negiert wird. Konträr zu Mozarts Werk endet Wagners Oper tragisch. Nicht Lohengrin ist hier die tragische Figur, sondern Elsa. Dieser Aspekt des Werks wird in der Würzburger Inszenierung sehr stark herausgearbeitet.

Karen Leiber als Elsa von Brabant dürfte aktuell eine ideale Interpretin dieser Partie sein. Mädchenhaft jugendlich, doch auch wissend, gibt sie ein berührendes Rollenporträt, das auch stimmlich eindringlich gestaltet wird. Ihre Stimme besitzt Charakter, eine schöne Klangfarbe sowie eine enorme Musikalität, die sie in allen Lagen geschickt einzusetzen versteht. Scott MacAllister bleibt darstellerisch etwas blass, dagegen ist sein Lohengrin gesanglich beachtlich. Sicher und ungemein differenziert agiert hier ein kluger Sänger, der nie in Schwierigkeiten gerät. Fast liedhaft gestaltete er seine Partie, mit vielen schönen lyrischen Akzenten.

Es war der Abend der Frauen in Würzburg; neben Karen Leiber zeigte Ruth-Maria Nicolay eine Ortrud mit Weltklasse-Niveau. Ungemein wortverständlich – was übrigens für alle Protagonisten zutraf – gestaltete sie auch die dramatischen Passagen mit gro-
ßer Phrasierungskunst und selbst die hohen Töne wirkten nie forciert. Starke Bühnenpräsenz und wilde Entschlossenheit zeigte ebenfalls Joachim Goltz als Friedrich von Telramund, dessen stimmliches Talent durchaus einem großen gesanglichen Fühlen entsprang. Auch Frank van Hove fügte sich als Einspringer harmonisch in dieses exquisite Ensemble und zeigte einen warmen Bass mit profunden Tönen. Die Partie des Heerrufers war vorzüglich besetzt mit Daniel Fiolka, der mit großem Elan und Legato brillierte.

Schon nach dem ersten Akt waren zahlreiche Bravorufe zu hören, am Schluss wurde das gesamte Team mit frenetischem Beifall gefeiert – und das zu recht.

Midou Grossmann

 

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