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Die Oper ist tot! Es lebe die Oper!

Eine Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn

„Totgesagte leben länger“ lautet ein zugegebenermaßen schon recht abgedroschenes Bonmot. Es stimmt allerdings immer wieder. Bestes Beispiel: die Oper. Oft genug wurde dieses Genre im Laufe seiner 400-jährigen Geschichte totgesagt, Pierre Boulez wollte gar alle Opernhäuser in die Luft sprengen. Und doch fasziniert dieses Genre nach wie vor, verfügt über eine zahlreiche Anhängerschaft, deren Verehrung zuweilen kultartige Auswüchse annimmt. Die Tatsache, dass es neben anderen auch zahlreiche Opern-„gemeinden“ gibt, mag nur ein ephemerer Hinweis darauf sein.
Wie dem auch sei, tot ist die Oper (noch) lange nicht, das beweist auch eine Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle, die sich diesem Genre und seiner Geschichte widmet. Natürlich ist es ein Ding der Unmöglichkeit, das Faszinosum Oper in all seinen Facetten auch nur annähernd umfassend abbilden zu wollen. In Bonn arbeitet man deshalb exemplarisch und konzentriert sich auf wenige Aspekte und ausgewählte prominente Beispiele. Die ganze Ausstellung ist dabei einem Aufenthalt im Opernhaus nachempfunden. Zuerst betritt man eine Vorhalle, in der die Vorgeschichte der Oper angesiedelt ist, muss anschließend durch einen dunklen Korridor und findet sich dann im eigentlichen Zuschauerraum wieder, der in Ränge eingeteilt ist. Die gruppieren sich um das zentrale Parkett, in der auf einer riesigen Leinwand Bilder aus der Opera Garnier, einem der berühmtesten Opernhäuser schlechthin, eine weihevolle Atmosphäre verbreiten.

Opernhäuser wie die Pariser Oper sind es auch, an denen man sich in der von Katharina Chrubasik und Alexander Meier-Dörzenbach kuratierten Ausstellung durch die Operngeschichte hangelt, angefangen von der politischen Repräsentationsoper der florentinischen Anfänge über berühmte Stationen wie Verdi an der Mailänder Scala über Bayreuth und Wagner bis hin zur New Yorker MET. Am Beispiel Wagner wird auch der politische Aspekt der Oper thematisiert, der ja seit den Anfängen in Italien einen nicht unwesentlichen Motivationsschub für die Entwicklung der Oper bedeutete, am Beispiel der MET oder auch der Scala werden die unterschiedlichen Opernsysteme vorgestellt, die sich in Ländern wie Italien und den USA herausgebildet haben.

Zu sehen sind in Bonn neben zahlreichen Originaldokumenten aus der Geschichte der Oper auch Kostüme und szenische Entwürfe. Wohl imposantestes Stück ist das Kostüm, das Birgit Nilsson 1961 auf der Bühne der Wiener Staatsoper als Prinzessin Turandot hinter sich herzog und auf das manch gekröntes Haupt dieser Welt sicherlich neidisch gewesen wäre. Schlappe fünf Meter ist die blaue, exotisch bestickte Schleppe lang. Interessant wird es aber auch am Rande der Ausstellung. In einem Nebenraum läuft ein Dokumentarfilm, der die mit 84 Häusern einzigartig dichte Opernlandschaft in Deutschland vorstellt, das Landestheater Detmold mit seiner umfassenden Reisetätigkeit genauso wie die traditionsreiche Dresdner Semperoper bis hin zum Meininger Hoftheater, ein damals wie heute erstaunlich großes Haus für eine eigentlich sehr überschaubare Stadt.

Am Ende der Ausstellung, wenn man wieder im Eingangsfoyer ankommt, läuft ein Film mit mal mehr, mal weniger gehaltvollen Statements zur Zukunft der Oper von Menschen, die in ganz verschiedenen Funktionen mit der Oper zu tun haben. Mit diesen beiden Beiträgen wird auch eine kleine Brücke ins 21. Jahrhundert geschlagen. In der Ausstellung ist leider am frühen Anfang des 20. Jahrhunderts Schluss. Das sei angesichts einer spannenden, rund 400 Jahre thematisierenden Ausstellung aber nachgesehen, zumal das sehr umfangreiche Begleitprogramm und der ebenso opulente wie gewichtige Ausstellungskatalog noch reichlich Stoff für eine weitere Beschäftigung mit dem Thema bieten.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 5. Februar 2023.

Guido Krawinkel

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