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Ausbildung

Die Zukunft im Auge

Jessica Iwansons Schule für zeitgenössischen Tanz in München · Von Vesna Mlakar

Nein, das Alter sieht man ihr nicht an. Selbst im Sitzen geht eine Dynamik von ihrem Körper aus, die fesselt – ebenso wie der Blick ihrer lebhaften Augen. Mit ihren 56 Jahren ist die schwedische Tänzerin und Choreografin Jessica Iwanson keiner Routine erlegen, und selbst wenn es um das Jubiläum ihrer eigenen Tanzschule geht, interessiert sie sich mehr für die Zukunft als für die Vergangenheit. Natürlich gab es Probleme und die Leitung einer Schule – wir sprechen hier immerhin von einem der größten europäischen Ausbildungsinstitute für zeitgenössischen Tanz in privater Hand – verlangt immer Gratwanderungen, die ein gewisses Risiko nicht ausschließen. Doch „die Iwanson“, wie sie von allen, die sie nicht mit Vornamen ansprechen, genannt wird, ist sich in zwei Punkten immer treu geblieben: einerseits für die professionelle Schulung moderner Bühnentänzer einzustehen und gleichzeitig die eigenen kreativen Kräfte nicht welken zu lassen.

 
Absolventin 2004: Ceren Yavan. Foto: Charles Tandy
 

Absolventin 2004: Ceren Yavan. Foto: Charles Tandy

 

Oper&Tanz: Waren die zwei Faktoren, eigene Stücke aufführen zu wollen und dafür gute Tänzer zu brauchen, auch ausschlaggebend für die Gründung Ihres eigenen Dance Centers?

Jessica Iwanson: Ja. Als ich 1973 nach München kam, war der Modern Dance hier totales Neuland. Ich hatte in Schweden an der Ballettakademie studiert, und dort waren sie damals sehr fortschrittlich. Wir hatten Jazz und Modern. Das Klassische war nicht so meine Sache, obwohl ich das auch hätte machen können. Aber es war mir zu gebunden. Mit 16 habe ich dann die ersten eigenen Stücke choreografiert, die sehr gut ankamen.

Oper&Tanz: Wobei Sie das klassische Ballett ja nicht ganz ablehnen...

Iwanson: Ich sehe keinen Konflikt zwischen Modern und Ballett. Die Klassik gehört auf jeden Fall mit zur Ausbildung. Nur glaube ich, dass es wichtig ist, beides gleichzeitig zu lernen. Beginnt man mit einer reinen Ballettausbildung, ist es hinterher schwierig, wieder davon loszukommen. Das ist auch mein Prinzip im Unterricht mit Kindern. Es ist wesentlich besser, wenn sie erst die Dynamik des Tanzens lernen und die Form später.

Oper&Tanz: Sie waren bei einer schwedischen Compagnie engagiert, bevor Sie weitere Studien nach Paris und New York führten, wo Sie mit Legenden wie Martha Graham, Alvin Ailey, Birgit Cullberg und Kathrin Dunham zusammenarbeiteten. In Paris war es Peter Goss, bei dem Sie tanzten. Wie kam es, dass ausgerechnet München Anfang der 70er-Jahre zu Ihrer Wahlheimat wurde?

Iwanson: Es gab im „Dance Depot“ bei Bill Miliés einen sehr populären schwarzen Jazzlehrer, der tödlich verunglückte. Deshalb wurde dringend eine Vertretung gesucht und ich folgte dem Angebot. Alles lief sehr gut und ich begann Modern zu unterrichten. Nach drei Monaten wollte ich meine eigene Schule eröffnen und eine Compagnie gründen. Und da es damals nicht so viele Tänzer gab, habe ich sogar Solisten wie Joyce Cuoco oder Peter Jolesch von der Staatsoper gefragt, ob sie mitmachen. Cuoco hat dann bei mir unterrichtet.

Seit 30 Jahren nun bestimmt Jessica Iwanson, eine Pionierin des Modern Dance, die freie, dem klassischen Ballett komplementäre Tanzszene in München mit. Sei es mit eigenen Werken, als Mitbegründerin der Münchner Tanztendenz oder als Leiterin der international renommierten Iwanson-Schule für zeitgenössischen Tanz: Ihr Name ist wie kein anderer untrennbar mit der Geschichte des Modern Dance in der Landeshauptstadt verbunden. Tatsächlich „gibt es im Grunde fast niemanden in der Branche, der nicht irgendwo seine Wurzeln bei Jessica hätte“, wie ihr Partner in privaten wie schulischen Dingen, Stefan Sixt, so treffend anmerkt. Nahezu die Hälfte der städtischen Tanzförderung für die freie Szene geht an ehemalige Iwanson-Absolventen. Vielleicht ist das mit ein Grund dafür, dass als attraktive Vision für das Weiterbestehen der Schule über Iwansons aktive Zeit hinaus ein Nachfolgemodell ähnlich der Heinz-Bosl-Stiftung (Leitung: Konstanze Vernon) mit der Stadt München als Gesellschafter zur Debatte steht.

Aus Privatinitiative gründete Jessica Iwanson 1974 nahe dem Gärtnerplatz das „Dance Center München“ als Ausbildungsschule für Kinder, Laien und Profis. In kürzester Zeit schnellte die Schülerzahl von 30 auf 300 und mit den besten unter ihnen konnte Iwanson eine Tanzgruppe zusammenstellen, die 1977 bei den Münchner Kulturtagen auf dem Marienplatz und im Zirkus Krone erste Erfolge feierte. Seitdem gelang es der sympathisch-ehrgeizigen Schwedin, ein Unterrichtskonzept zu entwickeln, das die zeitgenössische Tanzpädagogik im deutschsprachigen Raum bis heute wesentlich prägt. Und immer wieder schafft sie es als international anerkannte Choreografin, ihr Publikum zu begeistern. In eine Schublade pressen lässt sie sich allerdings nicht, was wohl an der Vielseitigkeit ihrer Themen und einer dem Zeitgeist und seinen Mode-Erscheinungen oft entgegengesetzten Ästhetik liegt.

Iwanson: Das ist ja eben das Tolle, dass man Geschichten mit dem Körper erzählen kann, die nicht verbal umsetzbar sind. Das ist wie Poesie ohne Worte. Man kann im Tanz Gefühle ausdrücken, wie in keiner anderen Kunstsparte sonst. Meine Technik dabei ist, loslassen zu können und trotzdem Kraft von unten – von den Beinen bis zur Körpermitte – einzusetzen. Dann kann in jede Bewegung, die über dem Kraftzentrum liegt – also Oberkörper, Arme, Kopf – Ausdruck gelegt werden. Dieses Pendeln zwischen Spannung und Entspannung ist Teil meines Stils und wird als Grundstock an der Iwanson-Schule gelehrt. Ab dem zweiten Jahr arbeiten die Studenten mit Gastdozenten, die meist selbst Choreografen sind. Der zeitgenössische Tanz heutzutage hat so viel Facetten – da müssen die Tänzer alle möglichen Richtungen und Stile beherrschen. Für die Schule bedeutet das aber keineswegs, nur einem Trend zu folgen, denn der kann morgen schon wieder vorbei sein!

 
„Sportomania“: Choreografie mit Schülern der Iwanson-Schule. Foto: Iwanson-Archiv
 

„Sportomania“: Choreografie mit Schülern der Iwanson-Schule. Foto: Iwanson-Archiv

 

Trotz zahlreicher Verpflichtungen und Auslandsaufenthalte verliert Jessica Iwanson niemals die Ziele ihrer Schule aus den Augen. 1979 bezog das „Dance Center Iwanson“ im Westend ein neues Studio, das – parallel zur wachsenden Nachfrage – bald um drei weitere Säle vergrößert wurde. Die erste Generation heute bekannter Tänzer und Choreografen, darunter Micha Purucker, Andreas Abele, Sabine Glenz (München), Tom Plischke, Patrick Delcroix (NDT), Katie Champion (DV8) und Barbara Hampel (Pina Bausch), kann sich längst im Kunstbetrieb behaupten. Dennoch folgten weitere Umstrukturierungen und 1985 wurde die Ausbildung für professionelle Tänzer und Pädagogen auf drei Jahre festgelegt, 1995 um die „Choreografen-Linie“ erweitert. Bereits drei Jahre zuvor konnte das sich allein aus den Gebühren der Schüler tragende Unternehmen in das eigens für die Iwanson-Schule konzipierte Gebäude an der Adi-Maislinger-Straße umziehen. Dank eingebauter Experimentierbühne haben die jungen Nachwuchs-Choreografen die Möglichkeit, ihre Stücke vor Publikum auszuprobierenund in Lecture-Demonstrations Trainingseinheiten vorzuführen. Zur Zeit sind allein in den einzelnen Ausbildungsjahrgängen insgesamt 120 Vollzeitschüler eingeschrieben.

Iwanson: Ich bin unglaublich froh, dass jetzt – nach all den Jahren – einige unserer besten Schüler als Lehrer an die Schule zurückkehren. Viele sind selbst choreografisch tätig und so können wir zudem ein Netz von Kontakten aufbauen, das später wieder den Absolventen zugute kommt.

Oper&Tanz: Persönlich lassen Sie lieber Erfolge für sich sprechen, als selbst allzu oft in den Vordergrund zu treten. Vieles lässt auf eine offene, in Bezug auf die Konkurrenz sehr positive Atmosphäre schließen. Liegt darin Ihr Geheimnis für langfristiges Gelingen in Sachen Tanzausbildung?

Iwanson: Ein Fronttyp war ich eigentlich nie. Natürlich hat es Schwierigkeiten gegeben. Aber ich habe meine Richtung durchgehalten, ohne zu viel nach der Mode zu gehen und hatte immer das Feeling, die richtigen Leute und Mitarbeiter zu finden. Egal ob Joyce Cuoco oder Katja Wachter – wenn ich einen Guten entdecke, habe ich keine Scheu, einfach anzufragen. Und im Gegensatz zu staatlichen Schulen können wir in Personalfragen absolut flexibel sein und Änderungen auch mit den Schülern bereden. Statt im Alleingang etwas durchzusetzen, ist es wichtig, auf die Leute zu hören. Schließlich besuchen sie die Kurse und nicht ich. So erfahre ich, wenn zum Beispiel eine Stunde nicht gut läuft, und kann rechtzeitig eingreifen.

Vesna Mlakar

Soeben erschien eine Festschrift mit Fotos und zahlreichen Grußworten und Texten hochrangiger Persönlichkeiten aus Kultur und Politik zum 30-jährigen Jubiläum. Zu bestellen per E-mail: schule@iwanson.de. Infos zum offenen Programm der Iwanson-Schule, zu den Studiengängen, Workshops, Fortbildungskursen und anderem: Tel. 089/760 60 85 oder www.iwanson.de.

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