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Kartoffelprolog mit Chorsinfonie

Helga Pogatschar-Uraufführung in München · Von Andreas Kolb

Ich habe meine lieben Bayern und speziell meine lieben Münchner genau kennen gelernt“, klagte Karl Valentin nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, als er – mangels öffentlichen Interesses – keinen seiner künstlerischen Pläne mehr umsetzen konnte. „Alle anderen mit Ausnahme der Eskimos und Indianer haben mehr Interesse an mir als meine ‚Landsleute‘“. Da musste erst mehr als fünf Jahrzehnte später ein Neu-Münchner, der gebürtige Bochumer Hans-Georg Küppers, als Kulturreferent an die Isar kommen, um das zu ändern. Sechs der zahlreichen Projekte zum 850. Stadtjubiläum Münchens haben er und das Kulturreferat dem Volkskünstler Karl Valentin zu dessen sechzigstem Todesjahr gewidmet. Für das Musikprojekt wurde die erst im Oktober 2007 mit dem Münchener Musikförderpreis ausgezeichnete Komponistin Helga Pogatschar gewonnen. Wie Valentin ist auch sie Sprachartistin, wenn auch mehr auf dem Gebiet der Vokalmusik.

 
Chorsinfonie mit Salome Kammer unter der Leitung von Michael Gläser. Foto: Siggi Mueller.
 

Chorsinfonie mit Salome Kammer unter der Leitung von Michael Gläser. Foto: Siggi Mueller.

 

Valentin 1945 – Liebeserklärung an München“ nannte Helga Pogatschar ihre Chorsinfonie für Stimme, 2 Chöre, Kinderchor und Kammerensemble. Als Libretto verwendete sie den legendären „Kartoffelprolog“: „Das ist ein Unsinn, was Sie da sagen: eine Kartoffel vielseitig! Eine Kartoffel ist überhaupt nicht seitig, eine Kartoffel ist rund, oval, länglich. Bei einem Zigarrenkistel kann man sagen, das ist vielseitig. Oder eine Harfe oder eine Zither, die ist vielsaitig… Aus einer Gans können Sie keine Gansknödel machen. Und deshalb ist die Kartoffel die Hauptnahrung der Menschen“.

Außerdem verwendet Pogatschar zwei Briefe Valentins an den damaligen Münchner Oberbürgermeister Scharnagel („Bin ich ganz vergessen?“) als Textgrundlage. Träger der Handlung war ein Blow up-Chor, bestehend aus dem via-nova-chor München, der Capella Vocale München und den Münchner Chorbuben und Chormädchen. Diese drei Vokalensembles waren aus den zahlreichen Bewerbungen ausgesucht worden. Von der Qualität her war das eine richtige Entscheidung, sollte damit jedoch die Idee verbunden gewesen sein, auf diese Weise das Publikum von über 150 in München ansässigen Chören anzusprechen, dann war das Wunschdenken geblieben. Einige hundert Zuschauer verloren sich hoffnungslos in den Rängen der Philharmonie.

Valentins Sprachkomik kombiniert mit Pogatschars musikalischem Witz – die erwartete komische Verdopplung blieb aus, war auch nicht beabsichtigt. Die Komponistin führte originell durch Valentins Denkkurven, und neben der starken Wirkung eines großen Vokalensembles machte natürlich auch die Solistin des Abends, Salome Kammer, Effekt. Sie deklamierte, sang und vokalisierte Valentin in bekannter Neue-Musik-Manier und kassierte deshalb einige Buhrufe von Zuhörern, die glaubten, sie müssten ihren Volkskünstler vor der Kunst bewahren. Ein unterhaltsamer Abend, auch wenn der letzte Satz der Chorsinfonie Längen hatte. Beim „rechtzeitig auf den Punkt kommen“, kann Helga Pogatschar sicher von Valentin noch lernen. Trotzdem: kein honoriges Denkmal für den verkannten Münchner, sondern ein einfühlsames und verqueres, eingerahmt in ein – im Gegensatz zur Kartoffel – durchaus vielseitiges Chorkonzert. Vor der Uraufführung der Chorsinfonie sangen die einzelnen Chöre Werke von Benjamin Britten, Hugo Wolf, Max Beckschäfer und Peter Wittrich. Ein Glanzlicht setzte der vierte Chor des Abends, der Chor des Bayerischen Rundfunks mit den Mahler-Liedern „Die zwei blauen Augen“ und „Ich bin der Welt abhanden gekommen“.

Andreas Kolb

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