Zur Startseite


 

 
Zur Startseite von Oper & Tanz
Aktuelles Heft
Archiv & Suche
Stellenmarkt
Oper & Tanz abonnieren
Ihr Kontakt zu Oper und Tanz
Kontakt aufnehmen
Impressum
Datenschutzerklärung

Website der VdO


 

Aktuelle Ausgabe

Editorial

Kulturpolitik
Brennpunkte
Zur Situation deutscher Theater und Orchester
Integrative Chorarbeit
Alexander Eberle über seine Essener Chorprojekte
Es ist und bleibt ein Abenteuer
Thomas Hennig über Auslandserfahrungen eines Chorleiters
Die soziale Kraft der Kunst
Jugendarbeit der Bayerischen Staatstheater

Portrait
Wechselvolle Karriere
Porträt der Choreografin Eva-Maria Lerchenberg-Thöny
Zwei Große nehmen Abschied
Über Sir Peter Jonas und Klaus Zehelein
Reiche Mitgift in Charlottenburg
Die Geschichte der Berliner Opernhäuser (Teil 8)

Berichte
Mozart-Marathon in Salzburg
Ein Bericht von den Festspielen 2006
Gelungene Debussy-Vollendung
„Der Untergang des Hauses Usher“ in Bregenz
Im Guckkasten in den Tod
Younghi Pagh-Paans „Mondschatten“ in Stuttgart
Die Kraft der Musik
„Lohengrin“ in Chemnitz


Ärgernis oder Notwendigkeit
Zwei neue Bücher fragen nach dem Beruf Opernregie
Altes Genre erfrischend aufgelegt
Henzes Rundfunkopern auf CD

Oper & Tanz aktuell
General-Schikane in Wild-Südwest
Eine arbeitsrechtliche Groteske

VdO-Nachrichten
Nachrichten
VdO-Verbandstermine – Stefan Moser wiedergewählt – Resolution des Deutschen Bühnenvereins – Auf geht’s: Die VdO-Organisationswahlen 2006/2007 – opernsplitter – Wir gratulieren

Service
Schlagzeilen
Namen und Fakten
Oper und Tanz im TV
Stellenmarkt
Spielpläne 2005/2006
Festspielvorschau

 

Portrait

Reiche Mitgift in Charlottenburg

Die Geschichte der Berliner Opernhäuser (Teil 8) · Von Susanne Geißler

Seit der Reichsgründung von 1871 war die deutsche Wirtschaftsentwicklung dank französischer Reparationszahlungen förmlich explodiert. Das Häusermeer Berlins wuchs rasant und weit über die Stadtgrenzen hinaus. Es sog das Umland in sich auf. Ein weit verzweigtes Stadtbahnnetz machte die bisher nur mühselig erreichbaren Nachbargemeinden zu Vororten. Was schon längst passiert war, wurde am 1. Oktober 1920 gesetzlich geregelt und festgeschrieben: Sieben Städte und zahlreiche Dörfer wurden nach Berlin eingemeindet. Die Stadt vergrößerte sich dadurch um das Dreizehnfache und nannte sich nun stolz „Groß-Berlin“.

Komfortables Leben

Die von der Eingemeindung Betroffenen waren wenig erfreut, insbesondere die unmittelbar angrenzende, gleich hinter dem Brandenburger Tor beginnende Stadt Charlottenburg. Hierher hatten sich viele wohlhabende Berliner samt ihrer Geldbeutel vor dem unersättlichen Fiskus gerettet. So verdiente man sein Geld denn in der Hauptstadt, lebte und zahlte seine Steuern jedoch in einer nur 15 Bahnminuten entfernten Provinzstadt bei sehr moderaten Steuersätzen, unbehelligt von Fabrikabgasen, Mietskasernen, Arbeitervierteln und sozialem Elend. Komfortabel hatte man sich eingerichtet, mit eleganten städtischen Wohnhäusern, zwei Villenkolonien im Grünen, einem luxuriösen, 55 Meter breiten Prachtboulevard – dem Kurfürstendamm – mit teuren Geschäften, Restaurants, Cafés und Theatern. Das größte und pompöseste Theater errichtete man 1896 in der Kantstraße, nannte es „Theater des Westens“ und weihte es der leichten Muse. Überraschenderweise hat das wilhelminische Baudenkmal beide Weltkriege nahezu unbeschadet überlebt.

Unsagbar öde und trivial

Was fehlte den Charlottenburgern noch, um glücklich zu sein? Natürlich ein großes Opernhaus. Ab 1910 wurde das Projekt in den Zeitungen diskutiert. Im Februar 1911 formierte sich eine „Betriebs-Aktiengesellschaft Deutsches Opernhaus der Stadt Charlottenburg“ und schon im Sommer begannen die Bauarbeiten auf dem Baugelände an der Bismarckstraße. Im Auditorium boten Parkett und 3 Ränge Platz für 2.300 Zuschauer. Die Bühne war riesig und mit modernster Technik ausgestattet. Mit 28 Metern Breite, 20 Metern Tiefe und einer eisernen Rundhorizontkuppel von 18 Metern Durchmesser entstand die größte Bühne der Welt. Zur Nebenstraße hin wurde dem Opernhaus ein Gaststättentrakt angefügt. Die gesamten Baukosten beliefen sich auf 3.205.000 Mark. Das war eine stolze Summe, doch Charlottenburg, damals die zweitreichste Stadt Deutschlands, ließ sich bei seinem Opernbau nicht lumpen und griff tief in die vollen Taschen.

Bereits vor der Eröffnung publizierte das Berliner Tageblatt eine vernichtende Architekturkritik: Das neue Charlottenburger Haus sei unsagbar öde, trist und trivial. Im Zuschauerraum herrsche eine säuerlich-strenge Stimmung. In den Foyers und Korridoren werde der ornamentale Aufwand aus alten Stilfibeln und Innungsbüchern bestritten. Warum baute sich Charlottenburg überhaupt ein eigenes Opernhaus? Die Initiative dazu ging von einem neu gegründeten Verein unter seinem Präsidenten, dem Komponisten Engelbert Humperdinck, aus. Dieser „Große Berliner Opernverein e.V.“ wollte den von Hofbeamten geleiteten Königlichen Schauspielen ein bürgerliches Modell entgegensetzen, sorgfältige Inszenierungen auf die Bühne stellen und frischen Wind in das Repertoire bringen. Der Kaiserliche Hof hielt sich ein unter Staubschichten begrabenes Opernmuseum, um sich dort vornehmlich selbst darzustellen. In Charlottenburg wollte man mit der Zeit gehen, ja, dieser sogar vorauseilen. Mindestgagen, garantiert niedrige Eintrittspreise und Abonnements sowie ein anzulegender Fundus sollten Neid-Intrigen dämpfen, das Haus füllen und Kosten sparen. Wer ahnte schon, dass der Erste Weltkrieg, die Inflation und die Nazi-Zeit die schönen Ideen sehr bald korrumpieren würden?

Erfolg und Notstand

Mit einem Solistenensemble aus jungen und bewährten Kräften, einem 72 Mitglieder zählenden Orchester, einem 80-stimmigen Chor und einem kleinen Ballett schmückte sich die erste Spielzeit 1912/13, die nach der feierlichen Eröffnung am 7. November 1912 mit Beethovens „Fidelio“ 15 Premieren bewältigte. Die Kritiken waren verhalten. Man schrieb von redlichem Bemühen, eher abgegriffenen Darstellungsformen, gediegenen, aber langweiligen Bühnenbildern. Trotz herber Schelte: Der Erfolg, jedenfalls der am Kassenstand ablesbare, stellte sich rasch ein. Schon in der zweiten Spielzeit hatte das Haus 11.000 Abonnenten. Man wünschte und bekam solide Opernkost geboten.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verlangte dem Personal viele zusätzliche Verpflichtungen bei gleichzeitiger Gagenkürzung ab. Als sich der Aufsichtsrat zögerlich zeigte, 1918 die Gehälter wieder aufzustocken, kam es zum Streik.

nergiesparmaßnahmen begrenzten alle Opernaufführungen auf drei Stunden. „Kohle beherrscht Kunst“, befand der Volksmund. Die wirtschaftliche Misere der Inflation trieb die Sänger zu Gastspielen ins Ausland. So reiste der Intendant Georg Hartmann 1923 mit Sängern und Sängerinnen seines Hauses auf Wagner-Konzerttournee durch die USA, was seine Gegner in Berlin gegen ihn zu nutzen wussten. Hartmann wurde seines Postens enthoben und Leo Blech zum kommissarischen Leiter berufen. Er begann die Spielzeit 1923/24 mit den „Meistersingern von Nürnberg“. Der Spielzeit folgte Blechs Abgang und ein Konkursantrag. Die Stadt Berlin übernahm das Haus. Der kostbarste Juwel aus der reichen Charlottenburger Mitgift fiel Berlin, ohne einen Pfennig Baukosten aufwenden zu müssen, sozusagen in den Schoß und wurde neben der Staatsoper, dem Schauspielhaus und der Krolloper ihr viertes, modernstes und größtes Opernhaus. Gemäß den neuen Besitzverhältnissen erfolgte mit der Übernahme die Umbenennung in „Städtische Oper“.

Ära Bruno Walter

Leo Blech war gegangen, es kam als neuer musikalischer Leiter Bruno Walter. „Das Haus der Städtischen Oper wirkte auf mich von Anfang an als das beziehungsloseste, unzauberischste aller Theater. Nicht nur war es architektonisch ganz und gar nüchterne Sachlichkeit, es hatte sich auch noch durch keine höheren Kunstleistungen seinem Publikum kostbar gemacht...“ So schilderte Walter in seinen Memoiren die ersten Gefühle an seiner neuen Wirkungsstätte. Ihm zur Seite gab man den vormaligen Breslauer Theaterchef Heinz Tietjen als Intendanten. Mit ihm betrat ein Mann die preußische Kulturszene, dem es gelang, als Intendant und Generalintendant die Städtische Oper, die Preußischen Staatstheater einschließlich der Staatstheater Kassel und Wiesbaden und die Bayreuther Festspiele unter seinen Einfluss zu bringen.
Walter wollte dem Haus eine Gefühlsbedeutung gewinnen, die ihm bisher versagt geblieben war. Die Erneuerung geschah stetig und von Grund auf. Walter brachte einen Teil seines alten Münchener Ensembles mit. Er engagierte neue Kräfte hinzu und holte als ständige Gäste einige der berühmtesten Sänger und Sängerinnen der Zeit. Neben der Arbeit am gängigen Repertoire wandte sich Walter besonders der Musik des späten 19. Jahrhunderts zu. Tschaikowskys „Pique Dame“, Hugo Wolfs „Corregidor“, „Der arme Heinrich“ von Pfitzner, auch Verdis „Falstaff“ standen unter seiner Leitung. Für Neuheiten war von 1925 bis zu seinem Wechsel 1927 an Klemperers Krolloper Fritz Zweig zuständig. Er dirigierte Busonis „Brautwahl“, Janáceks „Katja Kabanowa“, Zemlinskys „Zwerg“ und auch so entlegene Werke wie Halévys „Der Blitz“. Den ersten Skandal provozierte im Oktober 1927 Ernst Kreneks „Jonny spielt auf“. Da brachte jemand Songs, freche Schlager, gar Jazz-Anklänge in ein ernstes Opernhaus. Und die Hauptfigur war ein Schwarzer. Die konservative Presse schäumte. Schon ein Jahr später folgte der nächste Schreck: Kurt Weills Einakter „Der Protagonist“ und „Der Zar lässt sich fotografieren“. Damit war die musikalische Belastbarkeit des Publikums aber auch erreicht. Es blieb bei diesen wenigen Sensationen in einem sonst gemäßigten Repertoire.

Schon 1926 brach an der Städtischen Oper – vorerst versteckt – eine Krise aus. Die Zusammenarbeit zwischen Tietjen und Walter scheiterte an der Machtfülle des Generalintendanten, die dieser zu Gunsten der Staatsoper nutzte. Bruno Walter fürchtete um die künstlerische Autonomie seines Hauses und witterte überall das „Gespenst des Staatsmonopols“. Drei Jahre später resignierte er. Die Beziehungen zu Tietjen waren restlos zerrüttet. Mit dem „Fidelio“ nahm Walter im April 1929 einen bewegenden Abschied. Es folgten erneut zwei Interimsjahre, durchaus nicht ohne Glanz. Arturo Toscanini dirigierte, es gastierte das Diaghilew-Ballett. Leo Blech kehrte als Gast zurück und Wilhelm Furtwängler dirigierte seinen ersten Berliner Opernabend in Charlottenburg. Trotz solcher Höhepunkte trieb die Städtische Oper langsam in die nächste Krise.

Krise und kurze Blüte

Rettung kam 1931 aus Darmstadt. Carl Ebert hatte dort mutiges, modernes und erfolgreiches Theater gemacht. In den zwei Jahren seines Wirkens sorgte Ebert in Charlottenburg für begeisterte Zustimmung beim Publikum. Eberts Erfolge ließen Tietjens Neid und Missgunst ins Kraut schießen, und er begann zu intrigieren. Er drang bei den preußischen Behörden ergebnislos auf Schließung der Städtischen Oper. Dann kamen ihm die Nazis zu Hilfe. Sie verlangten die Abkehr von der verhassten Moderne, dem angeblich Undeutschen. Der sozialdemokratische Ebert sollte umschwenken auf die NS-Kunstdoktrin, dann hätte er Intendant bleiben können. Er lehnte ab, wurde abgesetzt und ging in die Emigration.

Braune Oper

Der Minister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, machte aus der Städtischen Oper ein reichseigenes Institut und benannte es um in „Deutsches Opernhaus“. Hitler berief den Bariton Wilhelm Rode zum Intendanten. Inszenierungen fanden fortan nur noch als szenische Arrangements statt – bestenfalls gefällig, schlimmstenfalls hilflos. Die Dekorationen mussten solide sein, naturgetreu bis ins kleinste Blatt aus Pappe. So sang denn Hans Sachs unter Butzenscheiben, die Festwiese der „Meistersinger“ kam direkt aus einem Film von Leni Riefenstahl, Siegfried ritt zu Pferd heran, auf dem Schild die berüchtigte S-Rune. Den neuen Machthabern war das Interieur des Opernhauses entschieden zu schlicht. So ging man 1934/35 an eine Neugestaltung des Zuschauerraumes. Festlicher, man kann auch sagen beeindruckender, sollte er werden. Die Maler ergingen sich in den Farben Elfenbein, Hellbraun, Mahagoni und Gold. Steinmetze verteilten reichlich Marmor, Stuckateure formten zusätzlichen Gips-Schwulst.

Im Deutschen Opernhaus gingen die Nazis ein und aus, was ihm bald den Spitznamen „Braune Bonzenoper“ einbrachte. Auch die Sitzungen der Reichskulturkammer fanden hier statt. Künstlerisch arbeitete man solide und bodenständig. Unter der Leitung von Generalmusikdirektor Artur Rother, ab 1942 Hans Schmidt-Isserstedt, entwickelten sich die sängerischen Karrieren von Irma Beilke, Elisabeth Schwarzkopf, Michael Bohnen, Walter Ludwig, Karl Schmitt-Walter, Rudolf Schock und Joseph Metternich. Das Repertoire war breit gefächert mit dem Schwerpunkt auf Wagner und italienischen Opern. Am 23. November 1943 wurde die Charlottenburger Oper bei mehreren Bombenangriffen total zerstört. Als Ausweichquartier diente das Theater des Westens und der Admiralspalast an der Friedrichstraße. Im Herbst 1944 wurden mit der Ausrufung des totalen Krieges alle Theater mit Spielverbot belegt.

Nachkriegszeit

Nach dem Krieg zog das ausgebombte Charlottenburger Opernensemble für 16 Jahre in das Gebäude des Theaters des Westens ein. Die Direktoren tauchten wieder auf, darunter natürlich Heinz Tietjen. Seine Vergangenheit war für die Siegermächte interessant genug, politisch durchleuchtet zu werden, weshalb der Bariton Michael Bohnen von den Sowjets zum „Bevollmächtigten für das Opern- und Konzertwesen“ ernannt wurde. Er übernahm die Intendanz und begann am 2. September 1945 mit dem „Fidelio“ in der zur „Städtischen Oper“ rückbenannten Charlottenburger Oper. Lange konnte sich Bohnen nicht halten, dann war wieder Tietjen zur Stelle. Von 1948 bis 1954 nahm er die Geschicke der Oper in die Hand, holte den greisen Leo Blech zurück, engagierte den jungen Dirigenten Ferenc Fricsay und verstand es, große Sängerinnen und Sänger an das Haus zu binden. Zu seinem Ensemble gehörten Elisabeth Grümmer, Martha Musial, Margarete Klose, Lisa Otto, Rita Streich, El-friede Trötschel, Mathieu Ahlersmeyer, Hans Beirer, Herbert Brauer, Dietrich Fischer-Dieskau, Gottlob Frick, Joseph Greindl, Fritz Hoppe, Helmut Krebs, Ludwig Suthaus und Joseph Metternich. Tietjen erlaubte sich allerdings permanente Etat-Überziehungen. Die sorglose Haushaltsführung brachte ihm andauernden Ärger ein. 1954 lief seine Zeit ab. Er hatte sich erschöpft, in seiner Führungskraft, seinem musikalischen Mut, im Spiegel der Meinungen.

Seine Nachfolge übernahm Carl Ebert. In der Emigration hatte er die von ihm gegründete Schule für Oper und Drama in Ankara geführt, gemeinsam mit Fritz Busch und Rudolf Bing das Glyndebourne Festival gegründet und als Professor an der University of South California in Los Angeles gearbeitet. Nun war er wieder in Berlin. Seine Ära dauerte bis zum Einzug in das neu erbaute Haus an der Bismarckstraße im Jahr 1961 und war geprägt von Inszenierungen auf hohem Niveau. Ein Stürmer der Moderne konnte und wollte er mit 70 Jahren nicht mehr sein.

Trennung: Ost und West

In diesen Jahren gab es einen regen Austausch von Sängern und Dirigenten zwischen allen Berliner Opernhäusern. Der Cross-over zwischen den Bühnen in Ost- und Westberlin war gängige Praxis, was aber bald durch die politische Entwicklung gestoppt werden sollte. Mit der Gründung der DDR begann man die zerbombte Mitte Berlins zur neuen Hauptstadt wieder aufzubauen. Viel historische Bausubstanz wurde rigoros abgetragen, so das Stadtschloss als Zeuge jahrhundertealter Feudalherrschaft. Die Lindenoper blieb, wenn auch als Kriegsruine, verschont vor der restlosen Zerstörung. Der Kalte Krieg führte zu einer regen und konkurrierenden Bautätigkeit in beiden Stadthälften. Als die Staatsoper nach dem Wiederaufbau 1955 ihr altes Haus Unter den Linden wieder beziehen konnte, ging man auch in Westberlin daran, ein neues Opernhaus zu errichten. Nach dem Entwurf des Architekten Fritz Bornemann begann man 1956 am alten Platz in der Bismarckstraße mit den Bauarbeiten für ein hochmodernes Haus aus Stahlbeton mit seitlichen Glasfronten. Der Zuschauerraum mit 1.899 Sitzplätzen erhielt hängende Logen in treppenförmiger Seitenstaffelung und eine dunkle hölzerne Täfelung. Beeindruckend war die große fensterlose Straßenfront des Gebäudes aus Waschbeton. „Klagemauer“ nannten sie die Berliner respektlos und in Anspielung auf die hohen Baukosten. Noch vor der Eröffnung des neuen Hauses am 24. September 1961 bekam das Spottwort jedoch eine unerwartete und viel tiefere Bedeutung: Seit dem 13. August wurde die Stadt durch eine Mauer gespalten und blieb es 28 Jahre lang.

Susanne Geißler

 

startseite aktuelle ausgabe archiv/suche abo-service kontakt zurück top

© by Oper & Tanz 2000 ff. webgestaltung: ConBrio Verlagsgesellschaft & Martin Hufner