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Musik ermöglichen

Irene Constantin im Gespräch mit Jochen Biganzoli

Jochen Biganzoli, mittlere Generation, aus Süddeutschland stammender Bremer, Opernregisseur, gehört zu den besten seines Fachs. Kühne Behauptung, jedoch: Seine besonderen Stärken liegen genau auf den „Kernkompetenzen“ dieses Berufs. Biganzolis gründliche musikalische Ausbildung macht jede seiner Regiearbeiten zu exemplarischem Musik-Theater, zum zweiten findet er für jedes Werk einen überraschend heutigen, dabei niemals vordergründig aktualisierenden Zugang, zum dritten überzeugt seine oft überraschende Sicht auf die lebendig und genau geführten Figuren der Handlung. Für „Oper & Tanz“ sprach Irene Constantin mit dem Regisseur.

Oper & Tanz: Herr Biganzoli, Sie begannen durchaus nicht als Regie-Wunderknabe an den allerersten Häusern, sondern in kleineren Theatern, später in vielen mittleren Häusern. Mit Leipzig, Hamburg und Dresden kamen nun auch die großen Opernbühnen hinzu. Wo liegen, abgesehen vom Budget, die Unterschiede und Konstanten?

Jochen Biganzoli: Grundsätzlich gleichen sich die Probenprozesse. Der Unterschied besteht in einem wesentlichen Punkt: Die Räume sind größer, das heißt die Intimität, die man an einem kleinen Haus inszenieren kann, wird schwer herstellbar, wenn der Abstand zum Publikum sehr groß ist. In Leipzig habe ich diese Erfahrung machen müssen, in Hamburg und jetzt hier in Dresden habe ich viele Vorgänge deutlich größer angelegt. Ich mag aber auch das Kammerspielhafte, deswegen gehe ich auch gerne an die sogenannten kleinen Häuser, weil es eben dort eine ganz andere Dichte gibt. Qualitätsunterschiede der Orchester messen sich übrigens nicht immer an der Hausgröße. Aber das Gewandhaus und die Dresdner Staatskapelle sind noch einmal Sonderklasse, und das genieße ich auch.

O&T: Wie verquickt sich die musikalische Struktur einer Oper mit Ihrer szenischen Arbeit?

Biganzoli: Ich höre und empfinde Musik ganzkörperlich. Und diesen Zustand suche ich auch beim Inszenieren. Durch vieles Hören der Musik, auch in mich hinein, versuche ich zu ergründen, was da eigentlich passiert. Wo stehen mir die Haare zu Berge, wo zuckt man, wo hat es auch eine Belanglosigkeit – da achte ich sehr drauf. Wenn ich dann durch Literaturstudium, sonstigen Background und die Festlegung, was ich mit meiner Inszenierung erzählen will, den intellektuellen Überbau gefunden habe, versuche ich beides zu verbinden. Es sind immer zwei Teile, die Analyse und das handwerkliche Regieführen, bei dem es um die Empfindungen und ihren Ausdruck geht. Ich frage mich nie, wie sollen die Darsteller spielen, während die Musik dies oder jenes macht, sondern was muss ich tun, damit genau diese Musik möglich ist.

»Ich finde Chor großartig...
Fast alle Chorsänger spielen gern.«

O&T: Die dritte Komponente im vielzitierten Gesamtkunstwerk Oper ist das Bild. Wie bildlich denken Sie?

Biganzoli: Ich möchte meinen Bühnenbildner Wolf Gutjahr zitieren: Es geht nicht um Bühnenbild, sondern um Sinnbild. Das trifft für mich den Nagel auf den Kopf. Ich suche kein Bild, sondern einen Denk-Raum, der eine Welt bietet, in der man dann spielen kann. Die drehende Bühne bei „Lady Macbeth“ in Lübeck oder die vier Buchstaben WELT im Bielefelder „Tannhäuser“ waren solche Sinnbilder. Wenn ich mir Fotos von meinen alten Inszenierungen anschaue, dann finde ich sie oft optisch konservativ, genrehaft. Zunehmend interessieren mich Lesarten, die das Genre oder die Erwartungen an schöne Kostüme und Bühnenbilder gar nicht mehr bedienen. Bühnen-Sinn-Bilder, die auch das Theater beim Funktionieren zeigen, sind der Denkweg, auf dem ich mich gerade bewege.

O&T: Das klingt sehr abstrakt über eine so sinnliche Kunst wie Theater.

Biganzoli: Für die Sinnlichkeit ist in der Oper allein die Musik zuständig, sonst wird es zu viel. Meine Arbeit ist ja zutiefst musikalisch und ich bin mir auch dessen bewusst, dass ich beständig im Bereich des Dirigenten herumfuhrwerke. Da muss ich die Dirigenten feinfühlig überzeugen mitzugehen. Die schönsten Momente erwachsen, wie jetzt mit Simone Young, wenn man wirklich gemeinsam probt und sich aus verschiedenen Sichten einer Lösung nähert.

O&T: Sie verstehen es offenbar, die Protagonisten von Ihrer – fast immer unerwartbaren – Sicht auf deren Figuren vollkommen zu überzeugen. Lasch und lau singt und spielt niemand in Ihren Inszenierungen. Wie gelingt es ihnen aber, einen ganzen Opernchor auf Ihre Seite zu bekommen?

Biganzoli: Ich finde Chor großartig! So viel wie möglich, weil es mir bei diesen Massen auch immer um die Energie geht. An bestimmten Stellen brauche ich Präzision. Wenn Musik sich verändert, muss sich auch szenisch etwas verändern, da muss man sehr genau sein. Ansonsten haben die Darsteller, Solisten und Chor, erstmal Freiheiten. Die müssen sie nutzen, und fast alle Chorsänger spielen gern. Ich gebe eine Richtung vor und lasse sie machen. Dadurch individualisiert sich der Chor. Ich greife die Angebote auf und forme sie weiter. Meistens schaffe ich es, dass sich sozusagen das Dach hebt, wenn hundert Leute ihre Energie einbringen.

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