Zur Startseite


 

 
Zur Startseite von Oper & Tanz
Aktuelles Heft
Zum News-Center
Archiv & Suche
Stellenmarkt
Oper & Tanz abonnieren
Ihr Kontakt zu Oper und Tanz
Kontakt aufnehmen
Impressum
Datenschutzerklärung

Website der VdO


Editorial

Viel Theater um Corona

Zu Beginn der Covid19-Pandemie twitterte Stephen King: „If you think artists are useless try to spend your quarantine without music, books, poems, movies and paintings.“

Seit Mitte März dreht sich in unserem (beruflichen) Alltag fast alles um Covid19. Die vergangenen Wochen, ja inzwischen schon Monate, haben wir intensiv damit verbracht, unsere Beratungen der speziellen – für uns alle im Kulturbereich neuen – Situation anzupassen, und in intensiven Verhandlungen mit dem Deutschen Bühnenverein auch erstmals für den Theater- und Orchesterbereich die tarifvertraglichen Grundlagen zur Einführung von Kurzarbeit geschaffen.

Gerrit Wedel. Foto: Charlotte Oswald.

Gerrit Wedel. Foto: Charlotte Oswald.

Bis zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des TV Covid NV Bühne (TVöD) konnten wir hierbei auch eine große Vielfalt und Kreativität der Theater, diesmal allerdings besonders in rechtlicher Hinsicht, erleben, die nun ein wenig in geordnete Bahnen gelenkt worden ist, wobei wir mit der konkreten Umsetzung nach wie vor intensiv beschäftigt bleiben.

Das Leben mit Covid19 ist die neue Realität und sie wird es voraussichtlich auch noch bis auf unbestimmte Zeit bleiben. Das bedeutet, dass wir uns umgewöhnen müssen, aber darin liegt auch eine Chance: Denn Kunst ist eben alles außer gewöhnlich. Aber auch im Außergewöhnlichen sind Gewohnheiten verankert: Welche sind die Spielstätten? Wie sieht es hinter der Bühne, auf der Bühne, im Zuschauerraum aus? Wie sind die Garderoben besetzt, welche Maske auf der Bühne? Wir müssen umdenken und uns umgewöhnen. Kulturschaffende überall auf der Welt tun gerade das, was sie hervorragend können: kreativ sein. Es werden neue Darbietungsformen und neue Erlebniswelten entwickelt: Die Deutsche Oper Berlin verlegt das „Rheingold“ aufs Parkdeck. Freilichtbühnen, Autokinos und andere Open-Air-Einrichtungen bringen dem Publikum den analogen Kulturgenuss zurück, um nur einige Beispiele zu nennen.

Den Künstlern verlangt das viel ab, denn nicht nur die Vorstellung selbst fällt durch Covid19 anders aus als sonst – auch der Weg dorthin ist ein ganz anderer als der bisher gekannte. Langsam aber sicher fängt der Kulturbetrieb wieder an zu laufen, aber bereits bei der Einstudierung ist Kreativität gefragt. In manchen Häusern wird der Chor im Zuschauerraum platziert, Proben werden ins Freie verlegt, und alles findet in kleinerer Besetzung statt... Auch hier gilt: Gewöhnlich ist nichts an der aktuellen Situation. Musizieren während der Pandemie muss einerseits den gegenseitigen Infektionsschutz gewährleisten und andererseits die künstlerische Ausdrucksfähigkeit bewahren – keine leichte Aufgabe.

Aber auch die Politik wird in Zukunft weiter gefragt sein, denn z.B. sich stetig ändernde Vorgaben von arbeitsmedizinischen Diensten, Gesundheitsämtern und Berufsgenossenschaften sowie zu berücksichtigende Einschätzungen von Immunologen und anderen spezialisierten Experten erfordern angepasste Gefährdungsbeurteilungen und Hygienekonzepte, die die Häuser vor besondere Herausforderungen stellen – ganz abgesehen von den finanziellen Auswirkungen infolge ausbleibender Einnahmen bei zwangsläufig drastisch reduzierten Publikumskapazitäten.

Da gibt z.B. das Treffen der deutschsprachigen Opernkonferenz mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters am 8. Juni 2020 in Berlin Hoffnung. Im Rahmen der Wiedereröffnung der Opernhäuser sollen verlässliche und wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen geschaffen werden, um einen angemessenen Umgang mit den Bedingungen der Epidemie zu gewährleisten.

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier setzt sich für die kulturellen Institutionen ein. Unter anderem verkündete er jüngst in einer Videobotschaft Folgendes:

„Erinnern Sie sich noch? An den Moment, in dem im Theater der Vorhang hochfährt? An die Vorfreude, wenn im Kino das Licht ausgeht und der Vorspann anläuft? Das Heimkino oder die gestreamten Konzerte und Theateraufführungen auf dem Sofa zu Hause sind dafür, finde ich, nur ein schlechter Ersatz.

Gerade in diesen Tagen haben wir gespürt, wie viel es uns bedeutet, Kunst und Kultur gemeinsam und unmittelbar zu erleben – im Kino, im Theater, im Konzertsaal. Kunst und Kultur sind für uns unverzichtbar. Sie sind, in einem sehr buchstäblichen Sinn, Lebensmittel. Umso mehr freue ich mich darauf, wenn die Kinos in den nächsten Wochen und die Theater hoffentlich spätestens zum Beginn der neuen Spielzeit wieder ihre Türen öffnen. Wenn wir – natürlich unter den geltenden Pandemie-Regeln – unseren Hunger nach Kunst und Kultur wieder stillen können.

Doch schon jetzt hat die Corona-Krise tiefe Spuren hinterlassen. Landauf landab fürchten Kulturstätten, ja die gesamte Branche, um ihre Existenz. Kinos und Theater brauchen und erhalten dringende Unterstützung. Die finanzielle Unterstützung von Bund, Ländern und Kommunen. Die solidarische Unterstützung von uns allen. Es ist gut, dass diese Hilfe nun konkrete Formen annimmt. Denn: Kultur ist systemrelevant.

Geben wir also acht auf unsere Künstler und Kulturschaffenden, auf unsere Kinos und Theater, auf unsere Kulturstätten. Geben wir weiterhin acht aufeinander.“

Hoffen, wir dass die Politik dieser Linie auch tatsächlich folgt.

Gerrit Wedel

 

 

startseite aktuelle ausgabe archiv/suche abo-service kontakt zurück top

© by Oper & Tanz 2000 ff. webgestaltung: ConBrio Verlagsgesellschaft & Martin Hufner