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PHILIPP FÖRSTER

Tänzer, Ortsdelegierter Freischaffende Mecklenburg-Vorpommern und Stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern/Brandenburg

Was hat Dich zum Theater gebracht?
Mich hat seit klein auf die Bühne gereizt. Ich genieße die Aufmerksamkeit und hatte immer die Vision mit meinem Tun auf der Bühne das Publikum entweder zum Nachdenken anregen zu können, oder für einen Moment von ihren Sorgen zu befreien. Das Theater ist ein geschützter Ort, oder sollte es sein, an dem der Künstler sich entfalten und sich seinem Werkeln hingeben kann. Von der Schneiderei zum Ticketservice arbeitet alles vereint, um am Ende den Zuschauer für eine kurze Zeit in eine ferne Welt zu entführen. Das finde ich nach all den Jahren noch immer magisch.

Warum engagierst Du Dich für die Gewerkschaft?
Traurigerweise ist der Tanz viel zu unterrepräsentiert. Natürlich setze ich mich auch für andere Kunstsparten ein, doch besonders der Tanz wird gerne vernachlässigt. Das liegt, meiner Meinung nach aber auch an der Tanzwelt. Im Theater schottet man sich gerne ab. Man ist zwar Teil des Theaters, lebt aber oft in einer eigenen Welt. Die Karriere ist oft sehr kurz und fängt sehr jung an. Viele haben Angst, ihre Meinung zu sagen, sich in Gewerkschaften zu engagieren oder einfach nicht den Kopf frei, sich mit komplizierten und teils langsamen Prozessen auseinanderzusetzen. Ich habe immer schon gerne meine Meinung gesagt und versucht mitzugestalten. Als Tanzgruppensprecher oder auch im Betriebsrat, beides hat mir Spaß gemacht. Ich hatte aber auch das Glück, einen sehr zugänglichen Künstlerischen Leiter zu haben, mit dem man sich auch mal streiten durfte ohne Angst haben zu müssen direkt auf der Straße zu landen.

Was ist nach Deiner Ansicht das größte Problem am Theater?
Das Theater als ganzes ist viel zu langsam mit Veränderung und Reform. Kritik von den Künstler:innen wird oft abgetan, und im Tanz herrschen immer noch veraltete und sehr schädliche Strukturen. Als Beispiel: Warum sollte bei einem Intendantenwechsel jede/r Künstler:in um ihren/seinen Job fürchten müssen? Warum haben Chorvorstände mehr Rechte als ein Tanzgruppensprecher? Warum hat das Orchester Einfluss auf die Wahl des Dirigenten, die Tänzer:innen aber nicht auf die Wahl des/der Choreograf:in/Künstlerischen Leiter:in oder wenigsten des/der Ballettmeister:in? In den letzten Jahren ist durch die Streaming Angebote ein neuer Konkurrent gewachsen. Auch TikTok und Co haben die Kunstwelt verändert. Besonders das junge Publikum lebt mit diesen neuen Medien und viele junge und sehr talentierte Künstler:innen bewegen sich teilweise ausschließlich auf diesen Plattformen. Das zwingt auch die Theater, sich immer mehr mit Online-Content zu beschäftigen und ihre Künstler:innen für diese zu nutzen. Teilweise führt das bereits zu Zusatzbelastungen durch zusätzliche Arbeitsstunden – unter dem Mantel der „Freiwilligkeit“. An vielen Häusern werden immer mehr und mehr Vorstellungen gespielt. Gleichzeitig werden die Ensembles kleiner oder durch leidige Theaterfusionen ersetzt. Aber was macht das mit der Qualität? Was macht das mit dem Künstler? Die Verletzungszahlen im Tanz sprechen da Bände. Wie können Theater umweltfreundlicher werden? Der Energiebedarf für Vorstellungen und Proben ist enorm. Requisiten und Bühnenbilder, die gebaut und am Ende nicht genutzt werden, gibt es zu Hauf. Die modernen Herausforderungen sind enorm, doch vielerorts hört man immer nur: „Früher hat es so auch schon geklappt“ und „Weiter so“.

Was ist das Schönste an Deinem Beruf?
Das schönste sind die Momente, in denen das Publikum mit leuchtenden Augen aus dem Saal geht. Ein Moment, der mir immer in Erinnerung bleiben wird, war der Wunsch eines schwerkranken Jungen. Er wollte einmal den kleinen Muck persönlich kennen lernen. Meine Darbietung als Muck hat ihn so begeistert, dass er für die kurze Zeit der Vorstellung einfach ein glückliches Kind sein durfte. Es war einer seiner letzten Wünsche in seinem viel zu kurzen Leben und hat mich sehr berührt. Das Leuchten in seinen Augen, als er dann den kleinen Muck im Ballettsaal treffen durfte werde ich nie vergessen.

MAI FÖRSTER

Tänzerin, Stellvertretende Ortsdelegierte Freischaffende Mecklenburg-Vorpommern

Was hat Dich zum Theater gebracht?
Ich fing bereits im Kindergarten an zu tanzen, da es mir gefiel, schöne Kostüme zu tragen und auf der Bühne zu sein. Zugleich fing ich auch an, ins Theater zu gehen und war von der Magie beeindruckt. Ich besaß eine Menge DVDs, um mir die verschiedenen Vorstellungen immer wieder ansehen zu können, aber wenn ich wirklich im Theater war, war es immer viel magischer und nicht vergleichbar mit den Videos. Erst viel später lernte ich, wie viele Menschen auf und hinter der Bühne daran arbeiten, die Vorstellung so leicht wirken zu lassen, und bemerkte, dass es viele Menschen gibt, die von diesem Ort fasziniert sind und bereit sind, für die Magie alles zu geben.

Warum engagierst Du Dich für die Gewerkschaft?
Auch wenn wir auf der Bühne etwas zeigen, was perfekt wirkt, so gibt es doch hinter der Bühne einiges zu verbessern. Ich habe versucht etwas zu verändern, indem ich meine Meinung sage, aber als nicht deutsche junge Tänzerin habe ich die Gesetze nicht genug verstanden und habe nicht die Aufmerksamkeit bekommen. Ich habe auch gelernt, dass es ohne den Rückhalt einer Gewerkschaft meine Karriere am Theater bedrohen kann, meine Meinung zu äußern. Wofür ich mich bisher eingesetzt habe, mag zwar klein erscheinen, aber ist nicht weniger wichtig. Ich bin dankbar, dass ich mithilfe der VdO diese kleinen Veränderungen anstoßen konnte. Ich möchte junge Tänzer:innen ermutigen, das Gleiche zu tun, denn alleine kann ich dieses veraltete System, welches dringend ein Update benötigt, nicht verändern. Zusammen können wir das. Ich hoffe, durch mein Engagement in der Gewerkschaft junge Tänzer:innen zu motivieren sich anzuschließen und die Wichtigkeit zu erkennen. Ich möchte sie motivieren für ihre Rechte kämpfen zu können, ohne Angst zu haben.

Was ist nach Deiner Ansicht das größte Problem am Theater?
Es gibt definitiv mehrere „größte Probleme“ am Theater, aber ich glaube, dass die meisten, wenn nicht alle, davon kommen, dass die Theater in den guten alten Zeiten feststecken. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich bereits Sätze wie „Es hat früher auch so funktioniert“ oder „So war es schon immer und man kann das nicht ändern“ hören musste, sobald ich ein Problem angesprochen habe. So lange wir nicht gemeinsam mit der Gewerkschaft an einem Strang ziehen, werden diese „Traditionen“ sich nicht ändern. Wenn ich ein Problem nennen soll, das eher speziell für die Tänzer:innen gilt, dann dass man sich um diese am wenigsten sorgt. Wir bekommen am wenigsten bezahlt, obwohl unsere Karriere die kürzeste ist und wir bereits früh Geld auf die Seite packen müssen, um uns auf die Zeit danach vorbereiten zu können. Und oft haben wir die miesesten Verträge. Besonders bei Proben mit verschiedenen Sparten zusammen sind es meistens die Tänzer:innen, die bis zum Schluss warten müssen, um dann plötzlich aus dem Kalten voll auszutanzen. Besonders freischaffende Tänzer:innen, welche gastieren, haben oft kein Trainingsangebot. So werden einfach keine Arbeitszeit und kein Ort für ein Warm-Up eingeplant. Ich glaube die Theater nutzen es aus, dass die Tänzer:innen oft sehr jung sind und nicht sehr gut Deutsch sprechen. Darum ist es wichtig, dass junge Tänzer:innen die Gewerkschaft kennen lernen.

Was ist das Schönste an Deinem Beruf?
Wenn ich etwas auf der Bühne zeigen kann, das nicht nur schön und glitzernd ist, sondern roh und authentisch. Wenn ich spüre, dass es die Zuschauer:innen berührt hat, ist es ein nicht beschreibbares Gefühl. Ich bin überzeugt, dass Theater nicht nur zur Unterhaltung da sind. Ganz ehrlich gesagt, liebe ich mich am meisten, wenn ich tanze. Es ist also auch eine Art Pflege meines Ichs.

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