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Bayreuths Festspiel-Chor liefert alljährlich Spitzenleistung

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Das Rückgrat des Grünen Hügels

Bayreuths Festspiel-Chor liefert alljährlich Spitzenleistung

„Uns gibt es nur im Sommer“ – sagt Chordirektor Eberhard Friedrich. Für die Schlagzeilen in Bayreuth sind auch dieses Jahr wieder andere zuständig: Erst Fast-Regisseur Lars von Trier, dann Trotzdem-Regisseur Christoph Schlingensief, anschließend Festspielleiter Wolfgang Wagner und schließlich noch „Parsifal“-Darsteller Endrik Wottrich. Der Bayreuther Festspiel-Chor hingegen erhält stets knappe aber gute Kritiken.

 
Bayreuth 2004, Götterdämmerung – zweiter Aufzug, vierte Szene in der Inszenierung von Jürgen Flimm: Der Chor unter der Leitung von Eberhard Friedrich und – solistisch – Olaf Bär als Gunther, Evelyn Herlitius als Brünnhilde, Peter Klaveness als Hagen, Christian Franz als Siegfried und Yvonne Wiedstruck als Gutrune. Foto: Bayreuther Festspiele, Jochen Quast
 

Bayreuth 2004, Götterdämmerung – zweiter Aufzug, vierte Szene in der Inszenierung von Jürgen Flimm: Der Chor unter der Leitung von Eberhard Friedrich und – solistisch – Olaf Bär als Gunther, Evelyn Herlitius als Brünnhilde, Peter Klaveness als Hagen, Christian Franz als Siegfried und Yvonne Wiedstruck als Gutrune. Foto: Bayreuther Festspiele, Jochen Quast

 

Jenseits von Grabenkämpfen, Streitigkeiten und Kompetenzgerangel wird richtig gute Musik gemacht. Maßgeblichen Anteil daran haben die 134 Sängerinnen und Sänger des Bayreuther Festspielchors mit ihrem Chordirektor Eberhard Friedrich. Der 46-Jährige, zugleich auch Chordirektor der Berliner Staatsoper „Unter den Linden“, leitet den Bayreuther Chor seit dem Jahr 2000. „Natürlich sind einige Inszenierungen wie Schlingensiefs Parsifal medial sehr dominierend, aber die Wahrnehmung des Chores in der Öffentlichkeit ist außerordentlich intensiv“, sagt Friedrich.

Das klingt bescheiden, wird der Chor in den großen Feuilletons der Republik doch meist nur mit zwei Sätzen gewürdigt. Es fällt aber auf, dass sich am Chor die Geister nie scheiden, sondern die Leistung einhellig gelobt wird. „Dafür müssen wir aber auch einiges leisten“, sagt Friedrich. Der Chorleiter kann dabei auf 58 Frauen und 76 Männer zählen. Und wer im August seinen Jahresurlaub singend in Bayreuth verbringt, der muss hoch motiviert sein. Während andere große Häuser die Sommerpause einlegen, wird in Bayreuth Höchstleistung erwartet. „Denn uns gibt es nur im Sommer“, beschreibt Friedrich seinen Chor.

Der Festspielchor besteht etwa zur Hälfte aus hauptberuflichen Chorsängern. Sie kommen aus deutschen und internationalen Opernhäusern oder aus Rundfunkchören. Die anderen 50 Prozent setzen sich zusammen aus freiberuflichen Chorsängern, aus Solisten anderer Häuser, und auch angehende Sänger bekommen eine Chance. „So mancher Gesangs- und Musikstudent hat im Festspielchor den Grundstein für seine berufliche Karriere gelegt“, sagt Friedrich.

Damit der Chordirektor auf einem soliden Stamm von Sängern aufbauen kann, finden jedes Jahr etwa 150 Vorsingen in Bayreuth und Berlin statt. Auf dem Programm stehen dann keine Chorpartien, sondern Arien.

Sind die 134 Chormitglieder einmal gefunden, dann beginnen etwa vier Wochen vor der Eröffnung der Festspiele die Proben. „An den ersten vier Tagen finden reine Chorproben statt, die können dann schon sieben Stunden dauern“, erklärt Friedrich. Das ist auch nicht verwunderlich, denn der Chor muss erst geschaffen werden, Friedrich muss einen homogenen Klang aus vielen einzelnen Stimmen erzeugen: „Denn singen können sie alle.“ Ist diese Hürde geschafft, geht es weiter mit den szenischen Proben, anschließend folgen dann die Orchesterproben mit Originalkostümen. Zum Durchatmen bleibt da nur sehr wenig Zeit. „Ein freies Wochenende kennen wir in Bayreuth nicht“, sagt Friedrich. Freizeit gilt auch während der Spielzeit eher als Fremdwort: Zum einen ist Richard Wagner nicht gerade dafür bekannt, kurze Opern geschrieben zu haben, zum anderen hat der Chor in den meisten Aufführungen sehr viele Partien zu singen. Der diesjährige Spielplan kommt dem Chor aber etwas entgegen: „Wenn der ,Ring’ aufgeführt wird, dann tritt der Chor nur in der ,Götterdämmerung’ auf“, so Friedrich. Der gebürtige Darmstädter ist Perfektionist – das wird in den Proben und auch während des Einsingens vor dem nächsten Akt deutlich. Da gilt es, wenn nötig, immer noch den allerletzten Schliff anzulegen. Friedrich ist ein Mann des offenen Wortes, er spart weder mit Lob noch mit Kritik. Deshalb nimmt es ihm auch niemand übel, wenn er zwei Minuten vor Beginn des dritten Aktes den männlichen Sängern nochmals eindringlich einschärft: „Nicht so gewalttätig, meine Herren!“ Schließlich sind für die dicken Schlagzeilen ja andere zuständig.

Holger Stiegler (ddp)

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