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Rezensionen

Enoch zu Guttenberg

Georg Etscheit: Musizieren gegen den Untergang – Der Dirigent und Umweltschützer Enoch zu Guttenberg. Schott Verlag 2020, 261 S., mit zahlr. Abb., 22,90 Euro (als Taschenbuch)

„Wir dürfen nicht vergessen, dass wir der Kunst zu dienen haben, und nicht die Kunst unseren Karrieren“, konstatierte Enoch zu Guttenberg 1997, als die neue Orchesterformation „KlangVerwaltung“ sein Stammorchester wurde – und: „Wir verwalten etwas, das uns nicht gehört.“ Viele andere lebenskluge und kulturweise Aussagen kann Georg Etscheid anführen, denn Enoch zu Guttenberg (1947-2018) hielt gerne, speziell auch vor und in seinen Konzerten, Ansprachen, war in vielen Bereichen tätig und das zunehmend erfolgreich: ökonomische Sanierung des maroden Familienbetriebes mit ökologischen Zügen; angesehene und unbequeme politische Figur; streitbarer Kämpfer und Mahner in Sachen Umweltschutz; Chorleiter, Orchestergründer und gegen langjährige und vielfältige Widerstände schließlich ein bedeutender Dirigent – einer, der fast bis in die letzten Konzerte atemlos überwältigte Anhänger und „schnappatmende Gegner“ schuf.

Georg Etscheit: Musizieren gegen den Untergang – Der Dirigent und Umweltschützer Enoch zu Guttenberg. Schott Verlag 2020, 261 S., mit zahlr. Abb., 22,90 Euro (als Taschenbuch)

Georg Etscheit: Musizieren gegen den Untergang – Der Dirigent und Umweltschützer Enoch zu Guttenberg. Schott Verlag 2020, 261 S., mit zahlr. Abb., 22,90 Euro (als Taschenbuch)

Wer über das „Wunder von Neubeuern“, den Weg eines oberbayerischen Bauernchores in die große Musikwelt, bis in den Wiener Musikvereinssaal und die New Yorker Carnegie Hall mehr wissen will, findet viel in Etscheits gelegentlich etwas detailfreudigem, aber auch musikalisch kenntnisreichen Buch. Nahezu alle großen Chorwerke sowie das anwachsende symphonische Repertoire Guttenbergs sind interpretatorisch verständlich beschrieben, einschließlich Verweisen auf eingespielte Medien. Guttenbergs Phase mit dem Frankfurter Cäcilienchor, dann ostdeutschen Musikinstitutionen und schließlich der speziellen Orchestervereinigung „KlangVerwaltung“ sind dargestellt – meist mit den „Do-it-yourself“-Anfängen abseits gängiger Hochschul- und dann Agentur-Karrieren, gipfelnd in den Herrenchiemseer Festspielen.

Lesenswert sind die mühevollen Anfänge des Trios Bernhard Grzimek/Hubert Weinzierl/Guttenberg in Richtung „BUND“. Doch dann wird Etscheit Opfer seines eigenen Anti-Windrad-Engagements: Er übernimmt zu unkritisch Guttenbergs Vorbilder und Festlegungen. Doch Guttenbergs leidend pessimistisches „Musizieren gegen den Untergang“ und seine finale Einsicht in mehr kämpferische Vehemenz gegen die weltweit dominierende Ignoranz bezüglich Umweltproblemen sind immerhin festgehalten. Etscheit selbst nennt den gut gegliederten, nachschlagefreundlich edierten Band zu Recht nicht „kritische Biografie“, sondern treffend ein „biografisches Porträt“.

Wolf-Dieter Peter

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