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Rezensionen

Ein deutsches Ärgernis?

Moshe Zuckermann: Wagner, ein ewig deutsches Ärgernis, Westend Verlag, 144 S., 18 Euro

Wagner ist ein komplizierter Fall, dem man nur mit sachlicher Differenziertheit beikommt. Es gilt, was der israelische Historiker Jakob Katz in seinem Buch „Richard Wagner. Vorbote des Antisemitismus“ erklärt: Die Deutung Wagners „aufgrund der Gesinnung und der Taten von Nachfahren, die sich mit Wagner identifizierten, ist ein unerlaubtes Verfahren“.

Moshe Zuckermann: Wagner, ein ewig deutsches Ärgernis, Westend Verlag, 144 S., 18 Euro

Moshe Zuckermann: Wagner, ein ewig deutsches Ärgernis, Westend Verlag, 144 S., 18 Euro

Der israelische Soziologe Moshe Zuckermann hält sich wie viele Autoren vor ihm nicht daran. Er beruft sich stattdessen auf Klaus Umbachs 1982 erschienenes, provokatives Buch „Richard Wagner. Ein deutsches Ärgernis“ und betont, sein „Essay“ sei Ergebnis „einer lebenslangen Faszination“, was die verwirrende Ambivalenz seines Buches erklärt. Er verzichtet auf Fußnoten wie Bibliographie und raunt etwas von „Bedeutungen“ und „intermedialem Kontext“. Der Autor macht es sich in seinem ausschweifend unbekümmerten Subjektivismus sehr einfach. Er geißelt Wagners Antisemitismus, repetiert aber nur alte Behauptungen und Vorurteile, die von der Wagnerforschung längst widerlegt wurden, beispielsweise dass einige von Wagners Bühnenfiguren Judenkarikaturen seien. Dass Wagners Antisemitismus in sich brüchig, ja widersprüchlich ist und sich im Laufe seines Lebens veränderte, ignoriert Zuckermann. Er scheint auch die antirassistischen, ja pazifistischen Spätschriften Wagners nicht zu kennen und nicht zu wissen, dass Wagner sich vom aufkommenden Rassen- und Radauantisemitismus, der seit den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts aufkam, distanzierte.

Er erklärt Wagner mit Schopenhauer und Nietzsche kurzerhand zum „Vorlauf des Nazismus im 20. Jahrhundert“ und verurteilt schließlich den „israelischen Fall Wagner“ mit seinem Wagneraufführungsverbot: Das sei „ein peinliches Zeugnis der Degeneration des Shoah-Gedenkens“. Man ist sprachlos, aber auch über seine resümierende Kehrtwende: „Wenn überhaupt, manifestiert sich heutzutage Wagner als Ärgernis in Deutschland einzig noch in alljährlichen Bayreuther Inszenierungsskandalen.“ Der Titel des verworrenen und völlig überflüssigen Buches wird damit Lügen gestraft.

Dieter David Scholz

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