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Rezensionen

Brigitte Fassbaender: Memoiren

Fassbaender, Brigitte: „Komm‘ aus dem Staunen nicht heraus“ – Memoiren. 381 S. mit zahlr. Abb., Beck Verlag 2019, 26,95 Euro

Der Titel passt: Viele Bühnenadelige namens Ochs von Lerchenau mussten zitatgemäß über den jungen „Kerl“ neben sich staunen – dieser „Rosenkavalier“ stahl ihnen tatsächlich die Schau: Brigitte Fassbaender machte in dieser Rolle aus der „seconda donna“ oft „die Erste“.

Fassbaender, Brigitte: „Komm‘ aus dem Staunen nicht heraus“ – Memoiren. 381 S. mit zahlr. Abb., Beck Verlag 2019, 26,95 Euro

Fassbaender, Brigitte: „Komm‘ aus dem Staunen nicht heraus“ – Memoiren. 381 S. mit zahlr. Abb., Beck Verlag 2019, 26,95 Euro

Ende der 1960er-Jahre durfte sie statt wie bisher immer nur die Rolle der Annina in einer geschlossenen Vorstellung für die „Freunde des Nationaltheaters“ in München erstmals und sehr erfolgreich den Octavian singen. Dann kam 1972 die Neuproduktion mit dem „Dream-Team“ Carlos Kleiber/Otto Schenk – und von da an wurde „die Fassbaender“ der opernweltweite „junge Herr aus großem Haus“. In ihren von Bescheidenheit geprägten Memoiren taucht sie erst auf Seite 30 auf. Vater Willi Domgraf-Fass-baender wird, nachdem sie lange an sich zweifelt und nur heimlich singt, ihr prägender Lehrer. Von ihm und der Mutter hat sie die „preußische Trias“ übernommen und beherzigt: Pünktlichkeit, Fleiß, Disziplin. So strotzt das überlegt schön bebilderte Buch nicht von Erfolgsaufzählungen, fulminanten Premierenerlebnissen oder unerhörten Anekdoten – vielmehr dominiert ehrliche Nüchternheit bezüglich der Belastungen einer fast bruchlosen Mehrfachkarriere. Fassbaender hat Mut zu hämelosen Negativurteilen über Größen der Opernwelt und mehrfach Freude an künstlerischem Gelingen bei anderen und sich selbst.

Gut gegliedert spannt sich da von 1961 bis zum selbstgewählten Abschied 1994 ein musikalischer Lebensweg: profunde Ausbildung, Anfängerin, Solistin, international tätiger Opernstar – immer mit dem Zentrum „München“ –, Liedinterpretin, Lehrerin, Regisseurin, Intendantin. Im Namensregister fehlt fast kein Name der damaligen Musikwelt, dem „die Fassbaender“ nicht begegnet ist, mit dem sie nicht gearbeitet hat. Feinsinnig die Urteile über ihre Lieblinge Carlos Kleiber, Carlo Maria Giulini oder Claudio Abbado, über Lieblingsregisseure und Kolleginnen und Kollegen – mal ganz menschenfreundlich, mal ganz entschieden Grenzen ziehend. Nur zur oft problematischen Rolle der Agenten fehlt ein Kapitel.

Die seit 1990 zwischen Musical, Operette und Oper tätige Regisseurin Fassbaender liefert mit dem fast 100 Seiten umfassenden „Theatertagebuch“ ihrer „Midsummernight’s Dream“-Inszenierung eine spannende, knallhart realistische Dokumentation. Zu 13 Werken hat sie „Regiegedanken“ notiert – all das erhöht die Spannung in Richtung „Fassbaender-Ring in Erl ab 2020“.

Wolf-Dieter Peter

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