Zur Startseite


 

 
Zur Startseite von Oper & Tanz
Aktuelles Heft
Archiv & Suche
Stellenmarkt
Oper & Tanz abonnieren
Ihr Kontakt zu Oper und Tanz
Kontakt aufnehmen
Impressum
Datenschutzerklärung

Website der VdO


Rezensionen

Eine kurze Geschichte des Tanzes

Dagmar Ellen Fischer: Eine kurze Geschichte des Tanzes. Henschel Verlag Leipzig, 2019, 334 Seiten mit zahlr. Abb., ISBN 978-3-89487-797-2, 32,00 Euro

Nicht weniger als 40.000 Jahre umfasst „Eine kurze Geschichte des Tanzes“ von Dagmar Ellen Fischer in elf Kapiteln – da war die Kunst des Weglassens gefragt. Deshalb verzichtet sie auf Inhalte, die man in Lexika nachschlagen kann und „will verschwundene Tänze in den Köpfen der Leser wieder lebendig werden lassen“. Leitmotiv: Warum eigentlich tanzt der Mensch? Der chronologisch fein strukturierte Aufbau, ein umfangreiches Personen- und Sachregister sowie zahlreiche Literaturnachweise in den Anmerkungen erleichtern dem Tanzinteressierten einen schnellen Zugriff auf die unterschiedlichen Epochen. Kurze Kapitel, eine große Auswahl an Abbildungen und viele zusätzliche Infokästen sorgen für den Anreiz, einfach mal zu stöbern.

Dagmar Ellen Fischer: Eine kurze Geschichte des Tanzes. Henschel Verlag Leipzig, 2019

Dagmar Ellen Fischer: Eine kurze Geschichte des Tanzes. Henschel Verlag Leipzig, 2019

Fischer beginnt ihre Zeitreise mit frühen Tanzritualen am Ursprung der Menschwerdung und stellt fest, dass hier wie auch in den späteren Hochkulturen Gruppen mit einem hohen Anteil an getanzten Ritualen eine stabilere Gemeinschaft bilden. Am Beispiel des Gottes Shiva wird Tanz im ersten Jahrtausend v. Chr. bereits als eine Metapher für Transformation beschrieben. In der Antike stellt Plato fest: „Tanz ist die Kunst, die die Seele des Menschen am meisten bewegt.“ Sie galt deshalb als Geschenk der Götter. In dieser Zeit dienten Kriegstänze der Körperertüchtigung und Vorbereitung auf den Ernstfall. Später entwickelten sie sich vom kultischen zum unterhaltenden Tanz. Mit Beispielen aus der Renaissance bis zur Moderne zeigt Fischer, dass Motive aus der griechischen Antike zu jeder Zeit Tanzkünstler inspirierten.

Um Eurozentrismus zu vermeiden, beschreibt sie detailliert auch Tanzentwicklungen aus anderen Erdteilen. In ihrem ambitionierten Werk reiht Fischer immer wieder verblüffende und unterhaltsame Episoden aneinander. Vom Mittelalter springt sie in die Renaissance, beschreibt Tanzen als Gesellschaftsspiel mit Regeln. Im Barock ergänzt sie die Geburt des Balletts mit der Darstellung des Kabuki-Tanzes in Japan sowie dem indischen Kathakali als Tanzdrama schlechthin. Einen breiteren Raum gewährt sie dem 20. Jahrhundert in gleich zwei Kapiteln. Sie beschreibt exemplarisch anhand berühmter Künstler wie Rudolf von Laban, Vaslav Nijinsky, Mary Wigman, Martha Graham und anderer die Entwicklung der verschiedenen Tanzrichtungen von der Klassik bis in die heutige moderne Vielfalt, von Palucca bis Bausch. Insgesamt bietet das Buch für Tanzfreunde eine Fülle von Anregungen aus der Kulturgeschichte, die sie mit weiterführender Literatur vertiefen können.

Beatrix Leser

startseite aktuelle ausgabe archiv/suche abo-service kontakt zurück top

© by Oper & Tanz 2000 ff. webgestaltung: ConBrio Verlagsgesellschaft & Martin Hufner