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Theaterkampf in Weimar
Warum das Deutsche Nationaltheater eigenständig bleiben muss:
Ein Pressespiegel

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Editorial

In der Politik ist es wie im wirklichen Leben: Erst der Druck der Ereignisse löst Den-
ken und Handeln aus. Hegel sprach von den „ernsten Einreden der Geschichte“, die ideologisierte, auch idealistische Illusionen immer wieder zerstören. Der 11. September 2001 war solch eine ernste Einrede, die zur Verteidigung der Zivilisation auffordert.

Das nach dem Infarkt des totalitären Kommunismus proklamierte „Ende der Ge-
schichte“ ist eine derartige Illusion; die angestrebte Weltordnung eines „global village“ wird ebenfalls zur Illusion werden, wenn sie losgelöst von der Geschichte gedacht und praktiziert wird. Das „global village“ bedarf der gerechten und starken staatlichen Ordnungen, um die ungeheuren Spannungen auszutarieren, die aus den Ungleichzeitigkeiten des zivilisatorischen Entwicklungsstandes in den verschiedenen Teilen und Gesellschaften der Erde resultieren.

   

Stefan Meuschel

 

Allein der Blick auf die Prognosen der Vereinten Nationen zur demografischen
Entwicklung zeigt, dass die kulturellen, wirtschaftlichen, politischen Unterschiedlichkeiten die Bedrohungs- und Konfliktpotentiale werden anwachsen lassen, wenn es nicht gelingt, zivilisatorischen Konsens zu vermitteln: Leben derzeit noch rund sechs Milliarden Menschen auf der Erde, so werden es bis zum Jahr 2050 rund elf Milliarden sein, bei abnehmender Bevölkerung in Europa, Japan und Russland, bei zunehmender in Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Nigeria und Pakistan. Und mehr als die Hälfte dieser elf Milliarden wird, so die UN-Prognose, in stadtähnlichen Ballungsräumen vornehmlich der südlichen Hemisphäre leben.

Es darf nicht den Hochmut der nördlichen Hemisphäre beflügeln, wenn die Fest-
stellung unbestreitbar erscheint, dass deren – unsere – moderne Zivilisation grundsätzlich die überlegenere ist; allein schon deshalb, weil nur sie es vermag, einigermaßen zulängliche Lebensgrundlagen für die anwachsende Weltbevölkerung zu schaffen.

Da Hochmut leicht vor dem Fall kommt, hat die moderne Zivilisation sich den
Herausforderungen zu stellen durch Öffnung, Sozialität und zugleich Wehrhaftigkeit. „Terrorismus zielt immer auf die staatliche Schutzfähigkeit“, schrieb Sepp Binder 1978, damals unter dem Eindruck des RAF-Terrorismus in Deutschland, in seinem offenbar den Geheimdiensten unbekannt gebliebenen Buch „Terrorismus – Herausforderung und Antwort“.

Sozialität der modernen Zivilisation meint nicht die Aufgabe des Gedankens der
Welt als „global village“ und die Rückkehr zu religiös-nationalen Gesellschaften, sondern Legitimation der Zivilisation, Rechtsstaatlichkeit und soziale Gerechtigkeit in ihr. Die Welt braucht eine legitimierte Zivilisation, die von vielen, durchaus unterschiedlichen Kulturen getragen wird und auch viele, durchaus ungleichzeitige Kulturen verträgt. Und wenn diese Kulturen Götter haben, müssen es solche sein, die andere Götter neben sich akzeptieren.

Der Weg dorthin führt nicht über die Börse, das Finanzamt der Dummen, und
nicht über die New Economy, das sozialdarwinistische Gebetbuch des Neoliberalismus. Es führt über Aufklärung, Bildung und Stärkung des Selbst-Bewusstseins der Kulturen. Eine Gesellschaft, die an der Bildung und an der Kultur spart, macht sich zum Komplizen des Terrorismus.

Bezogen auf seine Tochter formulierte der Rolling Stones-Musiker Mick Jagger
unlängst in einem „Spiegel“-Interview: „Bereits ein bisschen Bildung bringt gewaltig viel“. Er fügte hinzu: „Jede Art von Kultur, sei es Musik, Literatur, Film oder Kunst, spielt eine große Rolle für das psychische Gleichgewicht der Menschen. Wenn man, wie die Taliban, die Leute davon abschneidet, dann beschneidet man ihre Sinne. Ähnliches haben die Puritaner in England getan: Da wurde sogar jede Art von Tanz verdammt.“

Ihr Stefan Meuschel

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