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Editorial

Singen Sie sich gesund!

Frau von der Leyen hat entschieden, dass es im Rahmen der Neubildung der EU-Kommission für Kultur und Bildung kein eigenes Ressort mehr geben solle, ja nicht einmal mehr der Begriff der Kultur namentlich Erwähnung finden wird. Die Kulturförderung wird künftig im Ressort „Innovation and Youth“ angesiedelt sein und als „Querschnittsaufgabe“ verstanden, die in einem anderen Ressort miterledigt wird. Dies gibt mal wieder Anlass, die Frage nach dem Stellenwert der Kultur zu stellen. Der Deutsche Kulturrat hat sich bereits kritisch geäußert wie auch der geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins Marc Grandmontagne, der darin die Verstärkung der Marginalisierung des gesamten Kulturbereichs sieht.

Dienst nach Vorschrift funktioniert im Kulturbetrieb nicht, Selbstausbeutung ist einkalkuliert. So haben sich die Gewerkschaften wie auch die Arbeitgeberseite – nicht zuletzt aus den eigenen Reihen – zum Teil erhebliche Kritik für die in den letzten Manteltarifabschlüssen erzielten positiven Ergebnisse anhören müssen.

Gerrit Wedel. Foto: Charlotte Oswald

Gerrit Wedel. Foto: Charlotte Oswald

Aber es gibt auch positive Zeichen: So verkündete die hessische Ministerin für Kunst und Kultur Angela Dorn anlässlich der Preisverleihung des Deutschen Theaterpreises DER FAUST, die Rahmenbedingungen für die Kultur in Hessen verbessern zu wollen und als ein erstes Zeichen die Mindestgage hochzusetzen, was wenige Tage danach auch offiziell mit einem Betrag von 2.300 Euro bestätigt wurde.

Eine unerwartete Schützenhilfe für die seit Jahren von den Künstlergewerkschaften erhobene Forderung nach einer nachhaltigen Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Kunst- und Kulturbereich und eine rundherum positive Nachricht angesichts der Tatsache, dass die Gewerkschaften schon lange für eine der Ausbildung angemessene und lebensgerechte Einstiegsgage kämpfen und unermüdlich fordern, das Einstiegseinkommen für Künstler nachhaltig zu verbessern.

Aber auch in weiterer Hinsicht war die Preisverleihung des FAUST bemerkenswert: Die Moderatorin Wiebke Puls, Schauspielerin und Sängerin, hatte im Vorfeld 35 Theaterschaffenden, darunter die Nominierten und Jurymitglieder, Fragen zur ihrer Arbeit und zum Theaterbetrieb gestellt. Aus den Antworten dieser „35-köpfigen Hydra“ speiste sie sodann ihre Moderation, die unter anderem aus Liedern, Psychoanalytik und dem energischen Aufruf zur unverzüglichen Verbesserung der Arbeits- und Vergütungssituation der Künstler bestand.

Eine Moderation, die sicher nicht jedem der Anwesenden und Angesprochenen so richtig schmeckte. Mit Forderungen wie zum Beispiel nach (ebenfalls) der Anhebung der Mindestgage auf 2.500 Euro, der strikten Einhaltung von Ruhezeiten, der Abschaffung des Patriarchats und des gender pay gap, der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, der demokratischen Mitsprache und Mitbeteiligung, ausreichenden Probenphasen und ganz grundsätzlich dem respektvollen Umgang miteinander nutzte sie das ihr gegebene große Podium und verschaffte dem Bedürfnis nach nachhaltiger Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Kultur die ganz große Bühne. Ja, so ist das, wenn man den Künstlern die Freiheit lässt, die Geister, die ich rief... Hoffen wir, dass damit der Ruf nach Verbesserung gesellschaftlich zunehmend Anerkennung findet. Vielleicht sollte Wiebke Puls auch zu den nächsten Tarifverhandlungen eingeladen werden ;-)

Last but not least gibt es noch eine erfreuliche Nachricht von der Weltgesundheitsorganisation, die am 11.11.2019 in Helsinki einen Bericht veröffentlichte, demzufolge besonders deutlich der positive Einfluss des aktiven wie passiven Genusses von Kunst und Kultur auf die Gesundheit der Menschen nachgewiesen ist. Länderübergreifend wurden dabei mehr als 900 Publikationen zum gesundheitlichen Nutzen künstlerischer Aktivitäten ausgewertet. Gerade kreative Beschäftigungen wie Tanzen und Singen sind gesundheitsfördernd. Also ist der Theater- und Kulturbetrieb auch die Chance für eine gesündere Gesellschaft. Ein weiteres Zeichen dafür, dass es an der Zeit ist, die Rahmenbedingungen der Kunst- und Kulturbetriebe nachhaltig zu verbessern und zeitgemäß wie auch zukunftsweisend aufzustellen.

Gerade in der unmittelbar bevorstehenden Vorweihnachtszeit gibt es ein großes Angebot an Kulturveranstaltungen, insbesondere für Kinder und für Familien: Kinderopern, Familienvorstellungen von „Erwachsenenopern“, Kinderkonzerte, Herbstbasteln, Wintergeschichten, Krippenspiele, … Gerade der künstlerische Nachwuchs und das junge Publikum müssen sehr ernst genommen und früh an ein reichhaltiges kulturelles Angebot herangeführt werden, nicht zuletzt der Gesundheit wegen.

In diesem Sinne: Singen und tanzen Sie sich gesund! Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien schon mal eine kulturreich-gesunde und vor allem frohe Weihnachtszeit.

Gerrit Wedel

 

 

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