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REZENSIONEN
Liebe gegen Teufel
Rimsky-Korsakow: „Die Nacht vor Weihnachten“, Ensemble der Oper Frankfurt (Naxos Bluray NBD0154V)
Über Nikolai Gogols im ukrainisch-russischen Kulturraum hochgeschätzte Erzählung hinaus hat Nikolai Rimsky-Korsakow weitere slawische Mythen, Teufel, Hexe, heidnische Sonnenkulte und christliche Folklore in seine Nacht der Wintersonnenwende im Dorf Dikana hineingemischt. Der Schmied Wakula liebt die reiche und selbstbewusst schöne Oksana: Heiraten darf es sie aber nur, wenn er ihr edle Schuhe der Zarin aus dem weltfernen St. Petersburg bringt. Da kann nur ein Pakt mit dem Teufel helfen… und Flüge durch die Nacht… und bodenständige Ehrlichkeit im Kontrast zum gespreizten Prunk der zaristischen Hofgesellschaft.

Rimsky-Korsakow: „Die Nacht vor Weihnachten“, Ensemble der Oper Frankfurt (Naxos Bluray NBD0154V)
Wie schafft es das achtmalige „Opernhaus des Jahres“ Frankfurt, über die Auszeichnung für „Orchester…“ und „Chor des…“ nun auch noch zur „Aufführung des Jahres“? Eigentlich ganz einfach: Bühnen-Zauber (Johannes Leiacker); Licht-Zauber (Olaf Winter); Darsteller-Zauber von männlichem „Held“, Hexe, Teufel und Geister, die alle singend durch den Bühnen-Kosmos von Sonne-Erde-Mond-und-Sternen fliegen (Flugchoreografie und Stuntkoordination Ran Arthur Braun); Phantasie-Bezauberung (Schnee aus dem Plastiksäckchen; ein Primaballerina-Tanz-Traum von „allem“ undundund…); Klang-Zauber (GMD Sebastian Weigle, Orchester und Chor); Vokal-Zauber (Sopran Julia Muzychenko und Tenor Georgy Vasiliev vor einem Traum-Ensemble)… und über allem und durch alles hindurch: Regie-Zauber von Christof Loy in einem weiß gekachelten Laborraum.
Bei der wegen ihrer Sinnenfreude als „Hexe“ verschrienen Wakula-Mutter Solocha betrinken sich alle Dorf-Honoratioren und müssen sich voreinander verstecken, bis sie Wakula in Kohlesäcken wegträgt. Mädchen und Burschen spreizen sich singend voreinander. Dieser turbulente Mix gipfelt im Triumph der Liebe und dem Weihnachtsvorabend – die bei aller Klarheit immer wieder auch poesievolle Interpretation rührt selbst als DVD-Aufzeichnung deutlich mehr an als die derzeit aktuelle Aufführung an der Bayerischen Staatsoper (siehe Bericht S. 28)
Wolf-Dieter Peter |