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Alle Jahre wieder…
Das Divertissementchen „E Leve för Kölle“ über den Jubilar Konrad Adenauer

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Alle Jahre wieder…

Das Divertissementchen „E Leve för Kölle“ über den Jubilar Konrad Adenauer

Dass die Oper Köln an diesem Abend anders tickt als sonst, merkt man schon vor der Vorstellung. Das Publikum ist verkleidet, und auf der Herrentoilette müht sich eine kräftig gebaute Dame in prächtigem Kleid, ihren viktorianischen Rock zu raffen, um sich am Pissoir zu erleichtern. Verdutztes „Na so was?“ quittiert sie/er mit gebrummelten „Wat mutt, datt mutt“. Seit 1874 zeigt die Bühnenspielgemeinschaft des Kölner Männergesangsvereins während der Kar­nevals-Session im städtischen Opernhaus das „Divertissementchen“. Sämtliche Soli, Chor- und Balletteinlagen gestalten Mitglieder des Männergesangsvereins op Kölsch. Komisch-parodistisch verarbeitet werden Persönlichkeiten und Ereignisse der Stadtgeschichte sowie klassisches Repertoire. Die aktuelle Produktion „E Leve för Kölle“ widmete sich dem Leben von Konrad Adenauer anlässlich dessen 150. Geburtstags. Der gebürtige Kölner war Oberbürgermeister der Stadt, erster Bundeskanzler der BRD und Ehrenmitglied des Männergesangsvereins. Dem Verein war es folglich Ehrensache, dem Jubilar einen Gedenkgottesdienst im Kölner Dom und das diesjährige „Zillche“ – benannt nach der Schutzheiligen und dem Vereinsheim Cäcilia Wolkenburg – zu widmen.

Divertissementchen 2026. Foto: Stefanie Althoff

Divertissementchen 2026. Foto: Stefanie Althoff

Im Kanzler-Himmelszimmer über den Wolken kommen Sekretärin, Ehefrauen und Kinder des Jubilars zusammen. Aber es gibt ein Problem. Das Geburtstagskind hat hier nur 50 Jahre Wohnrecht, und genau das läuft jetzt aus. Tatsächlich drängelt schon Ludwig Erhard herein. Drei Engel rufen Fürsprecher herbei, die die guten Taten des Alten für Stadt und Land bezeugen sollen. Es kommen Marilyn Monroe, Aristoteles Onassis, Queen Elizabeth, Nikita Chruschtschow, Charles de Gaulle und Willy Brandt. Die andere Hälfte der 26 Szenen zeigt Adenauers Erdenwirken. Der Politiker kümmert sich um den Bau von Messe, Brücken, Bädern, Wohnungen und des Flughafens Butzweiler Hof. Ihm verdankt sich auch die Wiedergründung der Kölner Universität, Anlage des Grüngürtels, Ansiedlung der Ford-Werke, Rückkehr von 10.000 Kriegsgefangenen sowie die deutsch-französiche Aussöhnung. Das Männerballett der Wolkenschieber bietet dazu Tanzeinlagen in thematisch wechselnden Kostümen als Gartenzwerge, Tennisspieler, Fabrikarbeiter, Piloten, Flugzeuge, Engelchen…

Musikalisch nimmt sich Arrangeur Thomas Guthoff, was passt oder sich durch kölsche Neudichtung passend machen lässt. Als auf der Hochzeitsreise Frau Adenauer in Monte Carlo viel Geld verspielt, erklingt die Titelmelodie des James-Bond-Films „Goldfinger“. Als „Conny“ Adenauer nach einem Autounfall im Krankenhaus liegt, ertönt die Fernsehserie „Schwarzwaldklinik“. Der bunte Reigen geht weiter mit anverwandelten Verdi-Chören, umtextierter „Ode an die Freude“, Bachs Toccata d-Moll, Mozart, Wagner, Strawinsky, altkölner Krätzjer, Evergreens von Willi Ostermann, Beatles, Bee Gees, Gloria Gaynor, Leonard Cohen und natürlich Karnevalsschlager. Das Publikum klatscht und singt begeistert mit, auch das leitmotivisch wiederkehrende Kölsche Grundgesetz: „Et es, wie et es / Et kütt, wie et kütt / Nix bliev, wie et es / Et hät noh immer jot jejange.“

Jürgen Nimptsch hat Wortwitz und Situationskomik ins Textbuch gebracht und spielt selbst mit großartiger Lakonie den alten Adenauer über den Wolken. Den jungen Oberbürgermeister verkörpert ebenso steif-korrekt wie jovial-schlitzohrig Dirk Pütz. Nach viel Spökes, Klamauk sowie historisch korrekten Handlungen und Sprüchen endet das von Lajos Wenzel quirlig inszenierte und von Judith Peter mit üppigen Kostümen ausgestattete Spektakel in einem Plädoyer für Europa, Demokratie und Frieden. Die Musik spielen seit vielen Jahren die Bergischen Symphoniker und die Swing-Band Westwood Slickers, diesmal unter wechselnder Leitung von Philip van Buren, Benedict Nagel und Bernhard Steiner. Die 21 Vorstellungen des „Divertissementchen“ waren allesamt ausverkauft und erreichten über 30.000 Zuschauer. Das WDR Fernsehen übertrug die Produktion und hält sie in der Mediathek bis Januar 2027 präsent. Das nächste Singspiel gilt dann einem weiteren Kölner Original zum hundertsten Geburtstag: Trude Herr.

Rainer Nonnenmann

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