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Berichte
„Alles im Eimer…“
Nino Rotas Oper „Der Florentiner Hut“ in Wuppertal
Mitnichten! Die Frage ist so etwas wie der Running Gag in Nino Rotas Oper „Der Florentiner Hut“. Am Ende jedoch heißt es „alles in bester Ordnung“, ein Fazit, das man auch auf den ganzen Abend beziehen könnte, denn der ist höchst vergnüglich. Nino Rota ist vorwiegend als Komponist von Filmmusik im kulturellen Gedächtnis geblieben. Doch tatsächlich halten sich Filmmusik und sogenannte „Ernste Musik“ annähernd die Waage im Schaffen dieses Komponisten, der immerhin zehn Opern geschrieben hat. An der Oper Wuppertal hat man sich mit „Der Florentiner Hut“ eine leicht bekömmliche Opernfarce vorgenommen, ein heiteres Stück, genau die richtige Kost für unkompliziertes Sommertheater.

Nino Rota, „Der Florentiner Hut“ an der Oper Wuppertal. Foto: Bettina Stöß
Die Geschichte ist hinreichend absurd: Ein Pferd frisst einen Hut. Das führt dazu, dass eine Hochzeit auf der Kippe steht, eine zunehmend ermattete Hochzeitsgesellschaft auf eine Odyssee quer durch die Stadt gehen muss und ein eifersüchtiger Despot zu Hause auf seine Ehefrau wartet, entsprechende Verwicklungen und Missverständnisse inklusive. Am Ende kommt es wie es kommen muss: Alles löst sich in Wohlgefallen auf und alle sind glücklich. An die dramaturgische Logik dieser Handlung sollte man keine übertriebenen Anforderungen stellen. Sie ist allerdings auch nicht unplausibler als bei so manchen Opernklassikern, die rauf- und runtergespielt werden. Hier geht es um möglichst skurrile Wendungen und eine temporeiche Geschichte.
Das löst dieser Abend zweifellos ein, auch wenn es ein wenig dauert, bis nach einem etwas zähen Beginn alles in Fahrt kommt. Dann aber zeigt die Inszenierung von Laura Attridge ihre Stärken. Sie verortet die Handlung in einem abstrahierten bürgerlichen Setting des 19. Jahrhunderts. Das steigende Tempo und die immer absurder werdende Handlung spiegeln sich in einem zunehmend surrealen Ambiente des von expressionistisch anmutenden Farbexplosionen geprägten Bühnenbildes von Markus Meyer, der auch für die zeittypischen Kostüme verantwortlich ist. Attridge sorgt immer wieder mit humorigen Einfällen für Lacher beim Premierenpublikum. Kein Wunder, unterhält der Abend mit nahezu ununterbrochener Action doch bestens. Nicht umsonst gibt es auch immer wieder spontanen Szenenapplaus. Nur zwischen dem dritten und vierten Akt tut sich ein dramaturgisches „Loch“ auf, in dem rein gar nichts passiert.
Das reißt das ungeheure spielfreudige Ensemble aber wieder raus. Nicht nur sängerisch ist der Abend überaus erfreulich und zeigt ein ausgezeichnetes Niveau. Auch schauspielerisch begeistert das Ensemble durchweg, insbesondere Oliver Weidinger als sich gehörnt wähnender Ehemann Beaupertuis und Publikumsliebling Edith Grossman als überaus exaltierte Baronin von Champigny machen in jeder Hinsicht viel Freude. Sie chargieren und überspitzen was das Zeug hält, ebenso wie Zicong Han als Bräutigam Fadinard, der auch mit einer elegant geführten lyrischen Tenorstimme überzeugt. Auch Agostino Subacchi als Brautvater Nonancourt, Mark Bowman-Hester als Onkel Vézinet, Zachary Wilson als Emilio und Merlin Wagner als Felice sowie weiteres Personal in den zahlreichen Nebenrollen überzeugen. Ulrich Zippelius hat den Opernchor der Wuppertaler Bühnen – und hier besonders die Frauenstimmen – ausgezeichnet vorbereitet. Auch das Sinfonieorchester Wuppertal sorgt unter der Leitung von Yorgos Ziavras für einen rundum vergnüglichen Abend. Flott und zackig tönt es direkt zu Beginn der Ouvertüre aus dem Orchestergraben. Damit geben Ziavras und das Orchester das Tempo des Abends schon mal vor. Sie lassen auch nicht nach, spielen ebenso lust- wie druckvoll und treiben die Handlung voran.
Rotas Musik sollte man nicht vorschnell als filmaffin abtun. Zweifellos zeigt sich hier der erfahrene Filmkomponist, der aber auch seinen Puccini studiert hat und nebst Wagner und Verdi querbeet die Musikgeschichte zitiert. Wirklich modern ist die 1955 uraufgeführte Musik nicht, antiquiert allerdings auch nicht. Rota ist eben eine Klasse für sich, genauso wie dieser unterhaltsame Opernabend in Wuppertal.
Guido Krawinkel |