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Rezensionen
Höhenflug mit Ziellandung
Zweites Film-Porträt von Wagner-Star-Tenor Klaus Florian Vogt
Astrid Bscher, „Klaus Florian Vogt – Hier kennt einer das Fürchten nicht“, Backstage mit dem Wagner-Tenor Klaus Florian Vogt, Gramola DVD 20007, 2026, 66 min., 24,99 Euro.
Er fliegt weiterhin – war am Rand der Bayreuther Festspiele gelandet und sang in den Jubiläumsvorstellungen „150 Jahre Uraufführung Ring des Nibelungen“ an allen vier Abenden der Tetralogie: Loge, Siegmund und beide Siegfriede – daher die Text-Anspielung im Filmtitel „Hier kennt einer das Fürchten nicht“.
Vogt tritt damit in die Fußstapfen des einst auf dem Grünen Hügel singulären, damals unersetzlichen und unvergessenen Wolfgang Windgassen. Das neue Film-Porträt von Astrid Bscher zeigt Vogt in dieser Höhenflug-Phase seiner Karriere – 13 Jahre nach dem DVD-Erstling „Der Meistersinger“.
Der Tenor fliegt künstlerisch derzeit in der Toplage… und überbrückt realiter die Distanz zwischen den Auftritten meist im eigenen kleinen Propellerflugzeug. Was wie „Show-Weltstar-Attitüde“ wirkt, war eine lange zurückliegende, also frühe Entscheidung, um die unumgängliche Reiserei selbstgestaltet, oft kürzer und direkter, damit freier und auch ein Stück lustvoll zu bewältigen. Der Filmtitel mit dem „Nicht-Fürchten“ gilt auch mal bei einem Schlechtwetterflug. Ergänzt wird dieser Lebenszuschnitt bei längeren Aufenthalten durch ein großes Wohnmobil, um Ruhe und Privatheit abseits von Proben, Aufführungen und Hotelappartments zu vereinen, zwischen Vokal-Gipfeln wie Tannhäuser, Tristan oder Siegfried.
In den Filmsequenzen aus den Opernhäusern Hamburg, Berlin, Dresden, Bayreuth, München und Zürich kommt nur eines nicht zur Sprache: wie Klaus Florian Vogt diesen Lebenszuschnitt im Alltagsleben bewältigt – ähnelt da nicht vieles, was Ernährung, Ruhe, Fitness und speziell auch Verzicht angeht, einem Hochleistungssportler? Dazu gerne mehr… auch zur Familie samt „Work-Life-Balance“. Jetzt, neben dem Bekenntnis, „gefordert sein zu wollen“, beeindruckt die Ruhe, mit der Vogt von einem „Hochsprung“ zum anderen antritt: durchweg in dieser obersten Leistungsetage – und eben ohne PR-Phrasen-Gerede –, sondern mit ruhig konzentriertem „Machen“, mit freundlichem Kontakt zu der und den Partnern – gewürzt mit einem Lob vom Wagner-Spezialisten Christian Thielemann – und dann im erstaunlichen Kontrast auch mal auf einem starken Motorrad. Der Regisseur-Intendant, der Vogt langsam und stetig in diese „Nicht-Fürchten“-Rollen geführt hat, Ex-Zürichs Andreas Homoki, kommt ergänzend zu Wort. So ist der Film ein hübsch durch die Tenor-Helden-Reihe führendes Biopic mit dem Etikett „Zentrale Phase eines Sängerlebens“.
Wolf-Dieter Peter |