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Schwerpunkt: Opersanierungen, InterimslÖsungen, Neubauten
Elegante Logenschlitten, pyramidenartige Werkstatttürme
Interessante Ersatzspielstätten während 14 Jahren Sanierung der Oper Köln
Von Richard Lorber
Bei der Pressekonferenz zum Spielplan der Kölner Bühnen im März 2026 machten alle glückliche Gesichter: „Ist doch schön hier“, schwärmte Schauspieldirektor Kay Voges, Opernintendant Hein Mulders stimmte ein, und GMD Andrés Orozco-Estrada lobte die Akustik des neuen alten Opernhauses. Schön ist in der Tat das Foyer des Gebäudes von Wilhelm Riphahn, das 1957 nach nur knapp zwei Jahren Bauzeit eröffnet wurde. Es strahlt eine weitläufige Leichtigkeit in der originalen Farbgebung aus, nachdem der Raum jahrzehntelang mit der Kinderoper zugestellt war, die nun unter dem Offenbachplatz ein eigenes Domizil bekommt. Doch bei aller Schwärmerei war die Sanierung der Kölner Oper und des Schauspielhauses ein Desaster. Sie hat 14 Jahre gedauert und fast 1,4 Milliarden Euro gekostet: 798,6 Millionen Euro reine Baukosten, etwa 141 Millionen für Interimsspielstätten und 446,7 Millionen Finanzierungskosten. Geplant waren 3 Jahre und 253 Millionen Euro. Richtige Begeisterung konnte das Riphahn-Ensemble nie auslösen. Manche Kölnerinnen und Kölner trauerten dem im Krieg nur leicht beschädigten alten Opernhaus am Rudolfplatz nach. Das Schauspielhaus sollte sogar abgerissen werden, bis 2010 eine Bürgerinitiative die durchaus ambitionierten Pläne für einen Neubau stoppte. Denn immerhin steht das ganze Ensemble seit 1989 unter Denkmalschutz.
Ein skulpturaler Bau
Architekt Remigiusz Otrzonsek vom Büro HPP, das die Sanierung betreute, ist freilich von den Qualitäten des Riphahn-Baus überzeugt. Es sei ein skulpturaler Bau mit Anleihen an die Architektursprache von Friedrich Gilly, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Architektur der französischen Revolution prägte. Bemerkenswert an der Kölner Oper ist die vertikale Ausrichtung mit den pyramidenartig angeordneten Werkstätten, die den Bühnenturm flankieren. Im Vergleich zum massiven äußeren Erscheinungsbild präsentiert sich das Innere eher licht und sogar beschwingt. Dazu trägt das halbrunde hohe Säulenfoyer genauso bei wie der Zuschauerraum mit seinen schlittenartigen Logen, die den Raum „staccatoartig“ gliedern.

Innenraum der Oper Köln mit den markanten Logenschlitten. Foto: Jann Höfer, Bühnen Köln
Als das Opernhaus erbaut wurde, gab es eine Kostenobergrenze von 15 Millionen Mark. Mehr Geld für eine Unterbühne war nicht vorgesehen. Das wurde bei der Sanierung nun geändert. Außerdem wurde der Orchestergraben vergrößert und die Akustik optimiert. Das Problem war, dass sich die Musiker selbst nicht gut gehört haben und tendenziell zu laut spielten. Im Schauspielhaus dagegen wurde das Raumvolumen verringert, um akustisch bessere Bedingungen für das Sprechtheater zu erreichen. Schon 2016 in Betrieb genommen wurde das sogenannte Kleine Haus am Offenbachplatz, dort wo früher die Gastronomie in den Opernterrassen war und nun eine Studiobühne mit 150 Plätzen entstanden ist. Ein Juwel ist die neue Kinderoper unter der Erde, deren Wände golden schimmern, die einen Orchestergraben für 30 Musiker aufweist und 200 Kindern Platz bietet. Es gibt also insgesamt vier Bühnen, mit etwa 1.300 Plätzen im Opernhaus und 700 im Schauspielhaus.

Staatenhaus Köln-Deutz, zehn Jahre lang Interimsspielstätte der Oper Köln. Foto: Matthias Jung
Am 7. Juni 2012 fand mit den „Meistersingern von Nürnberg“ die letzte Vorstellung im Opernhaus statt. Dann begann die Sanierung. Schon im Juni 2014 wurde Richtfest gefeiert, und kein Mensch hielt es für möglich, dass die Wiederöffnung nicht wie geplant im November 2015 stattfinden könne. Doch kurz darauf wurde auf einer im Nachhinein legendären Pressekonferenz bekannt gegeben, dass wegen Problemen bei der Haustechnik und beim Brandschutz die Wiedereröffnung auf unbestimmte Zeit verschoben werden müsse. Die komplette Planung der Technik begann von vorne. Erst im Januar 2021 wurden die neuen Pläne fertig. Und dann sollte es nochmals mehr als fünf Jahre dauern bis zum geplanten Festakt am 24. September 2026.
Eine Messehalle
Als im Juli 2015 die geplatzte Wiederöffnung bekannt wurde, stand die Oper Köln zunächst ohne Spielstätte da, weil der Mietvertrag für den Musical Dome am Hauptbahnhof nicht verlängert worden war. Mit dem Staatenhaus, einem Messegebäude aus den 1920er-Jahren, bezog man dann für die nächsten neun Jahre ein Interim mit drei Spielbereichen. Dort hatte bereits 2011 die szenische Uraufführung der Oper „Sonntag“ aus „Licht“ von Karlheinz Stockhausen stattgefunden. Das Hauptproblem dort war allerdings die schlechte Akustik und der fehlende Orchestergraben. Entweder ist das Orchester zu laut, wenn die Musiker vor der Bühne sitzen wie bei der aktuellen Neuproduktion von Wagners „Ring des Nibelungen“ oder zu leise, wenn das Orchester seitlich oder gar unter der Bühne platziert wird wie beim „Fliegenden Holländer“ 2023. Gelungen waren dagegen Produktionen, die mit der Raumsituation kreativ umgingen, etwa 2018 die von der katalanischen Theatertruppe La Fura dels Baus besorgte Neuinszenierung von Bernd Alois Zimmermanns Oper „Die Soldaten“, die 53 Jahre nach der Kölner Uraufführung zum ersten Mal wieder in der Stadt zu erleben war. Das Publikum saß auf drehbaren Stühlen und war komplett von Spiel- und Projektionsflächen umgeben.
Oper in Bewegung
Als Uwe Eric Laufenberg zur Spielzeit 2009/10 als Opernintendant nach Köln kam, hatte er in seinem Vertrag eine Regelung, wonach er schon ab der nächsten Saison einen Spielplan mit Interimsspielstätten zu planen hatte, weil man da noch von einem früheren Sanierungsstart ausging. Er entwickelte das Konzept „Oper in Bewegung“ und erkundete in der Stadtlandschaft zahlreiche interessante Spielstätten, immer abgestimmt auf das jeweilige Stück. Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“ in der Regie von Dietrich Hilsdorf und der musikalischen Leitung von Konrad Junghänel fand im Casino des ehemaligen Gerling-Versicherungskonzerns statt. Mozarts „La clemenza di Tito“ in Laufenbergs eigener Regie im Treppenhaus des Oberlandesgerichts. Das Ensemble spielte auf Treppen und Emporen des neobarocken Baus, mal näher, mal weiter weg vom Publikum, das auf verschiedenen Etagen saß. In den folgenden Jahren nutzte man als Spielstätte das Palladium, eine zur Event-Location umgenutzte Fabrikhalle aus der Gründerzeit in Köln-Mülheim. Bernd Mottls Inszenierung der „Csárdásfürstin“ schuf dort eine Art Varietétheater, bei dem das Publikum Teil des Geschehens wurde. Eine interessante Spielstätte war auch die Kölner Trinitatiskirche, in der man 2011 Brittens „The Turn of the Screw“ und 2014 Wolfgang Rihms „Jakob Lenz“ zeigte. Bei Britten saß das Publikum auf beiden Seiten eines durch den Kirchenraum führenden Stegs. Empore und Altarraum wurden ebenfalls bespielt. Eine „Zauberflöte“ präsentierte man in der Aula der Universität (wo direkt nach dem Krieg Konzerte und Opernaufführungen stattfanden) sowie Janáčeks „Tagebuch eines Verschollenen“ und Gustav Holsts „Savitri“ im Museum Kolumba 2015 kurz vor der dann gescheiterten Wiedereröffnung.
Der Musical Dome
Unter der Intendanz von Birgit Meyer ab der Spielzeit 2012/13 wurde der Musical Dome zur Hauptspielstätte. Die zeltartige Konstruktion auf dem Breslauer Platz neben dem Hauptbahnhof wurde bereits 1996 als Provisorium für Musical-Aufführungen errichtet. Der Raum bot Platz für mehr als 1.700 Zuschauer und auch ein ansprechendes Foyer. Doch es fehlte der Reiz einer unkonventionellen Spielstätte. Und wie im Staatenhaus war die Akustik das Hauptproblem. Der Orchesterklang breitet sich nicht richtig in den Raum aus. Die Dirigenten hatten immer Schwierigkeiten, eine klangliche Balance zum Bühnengeschehen herzustellen. „Parsifal“ unter Markus Stenz klang 2013 wie eine kammermusikalische Partitur. Nach mehr als einem Jahrzehnt „Oper in Bewegung“ freut sich Köln nun auf die neue Normalität im runderneuerten alten Haus am Offenbachplatz. |